Die Ergebnisse dieser Experimente ließen sich mit zufälligen Übereinstimmungen erklären. In den 1950er-Jahren kam die Parapsychologie aus der Mode. Zwar haben sich einige Forschungslabore hartnäckig gehalten – etwa an der University of Northampton in Großbritannien oder der University of Arizona in den USA –, aber Parapsychologie wird heute allgemein als Pseudowissenschaft eingestuft.
Doch mit moderner Technologie kann man durchaus Gedanken lesen, denn ein aktives Gehirn produziert messbare Signale, unter anderem elektrischer und thermischer Art. Daher ist Gedankenlesen zumindest im Prinzip möglich, nämlich indem man Signale, die mit dem Denken einhergehen, empfängt und analysiert. Dazu ist es nicht genug, sich im selben Zimmer mit einer Person zu befinden, aber es ist durchaus eine Aufgabenstellung im Bereich der Wissenschaft.
Nun ist das menschliche Gehirn mit etwa 80 Milliarden Neuronen sehr komplex, und Wissenschaftler können bisher bei Weitem nicht alle Details unserer Denkprozesse vermessen. Aber zwei wohlbekannte Untersuchungsverfahren geben immerhin Aufschluss darüber, welche Regionen im Gehirn aktiv sind. Das ist erstens die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT), bei der man die Durchblutung misst, die mit neuronaler Aktivität korreliert. Und zweitens die Elektroenzephalografie (EEG), bei der man elektrische Aktivität mittels Elektroden auf der Kopfhaut misst.
Keine gute zeitliche Auflösung
Der Vorteil der fMRT ist, dass man damit eine gute räumliche Auflösung erhält. Aber es dauert relativ lange – etwa eine bis mehrere Sekunden –, um solche Messungen zu machen, sodass die zeitliche Auflösung nicht besonders gut ist. Dazu kommt, dass fMRT starke Magnetfelder braucht, weswegen die Messgeräte groß und schwer sind. Beim EEG ist es gerade andersherum. Es ist leicht anzubringen und reagiert schnell, daher ist die zeitliche Auflösung hoch. Aber da die Elektroden nur an wenigen Punkten auf der Kopfhaut anliegen, ist die räumliche Auflösung gering. Wesentlich bessere Messungen lassen sich mit Elektroden erreichen, die direkt auf der Oberfläche des Gehirns angebracht sind – das erfordert jedoch einen operativen Eingriff. Es gibt dazu wissenschaftliche Studien, weil einige Menschen aus medizinischen Gründen elektrische Kontakte auf der Gehirnoberfläche haben, und bereit sind, an Experimenten teilzunehmen.
In den letzten zehn Jahren gab es bei der Analyse solcher Gehirnaufnahmen enorme Fortschritte durch künstliche Intelligenz, also Software, die in der Lage ist, durch Üben zu lernen. So gelang es zum Beispiel einer japanischen Forschergruppe 2017, aus fMRT-Messungen näherungsweise zu rekonstruieren, welche Bilder Studienteilnehmern gezeigt wurden. Die Forscher trainierten die künstliche Intelligenz, generelle Merkmale der Bilder aus der Gehirnaktivität zu identifizieren, etwa Formen, Kontrast oder Gesichter. Auf den so rekonstruierten Bildern kann man nicht genau erkennen, was die Studienteilnehmer sahen, aber es zeigt sich eine deutliche Ähnlichkeit im Bildaufbau. Die rekonstruierten Bilder erinnern mich an verwackelte Fotos der Originale.





