Empathie gilt als eine ureigene menschliche Fähigkeit. Doch auch künstliche Intelligenz wird immer besser darin, Emotionen zu erkennen und scheinbar mitfühlend darauf einzugehen. Schon eines der ersten Computerprogramme für natürliche Sprache, der 1966 veröffentlichte Chatbot ELIZA, mimte die Rolle einer Psychotherapeutin. Obwohl ELIZAs Antworten und Nachfragen noch weit von natürlicher menschlicher Kommunikation entfernt waren, berichteten Testnutzer von dem Eindruck, ELIZA würde ein echtes Verständnis für ihre Probleme aufbringen. Seitdem haben sich die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz deutlich weiterentwickelt. Insbesondere große Sprachmodelle, wie sie beispielsweise ChatGPT zugrunde liegen, können inzwischen so authentisch kommunizieren, dass ihre Antworten nicht mehr von menschlichen zu unterscheiden sind.
Täuschend echte Empathie
„Es bleibt jedoch unklar, ob Empathie, die Verständnis, ‚Mitfühlen‘ und Fürsorge umfasst, anders wahrgenommen wird, wenn sie einer KI oder einem Menschen zugeschrieben wird“, erklärt ein Team um Matan Rubin von der Hebräischen Universität Jerusalem. Um diese Frage zu klären, haben die Forschenden neun Teilstudien mit insgesamt über 6.000 Teilnehmenden durchgeführt. Dabei ließen sie die Testpersonen mit einer KI chatten, wobei allerdings ein Teil der Teilnehmenden glaubte, es mit einem echten Menschen zu tun zu haben. Alle Probanden wurden gebeten, ihrem Gegenüber von einem emotionalen Erlebnis zu berichten und anschließend zu bewerten, wie empathisch die Antwort war.
Das Ergebnis: „Die Antworten, die angeblich von echten Menschen stammten, wurden als empathischer und unterstützender bewertet und lösten mehr positive und weniger negative Emotionen aus als die der KI zugeschriebenen Antworten“, berichten die Forschenden. Auch wenn das Team die Länge der KI-generierten Antwort variierte, unterschiedliche KI-Modelle verwendete oder eine größere Verzögerung einbaute, blieb der Effekt stabil.
Menschen bevorzugt
Hatten die Teilnehmenden selbst die Wahl, ob sie augenblicklich eine KI-generierte Antwort bekommen wollten oder einige Tage später eine Rückmeldung von einem echten Menschen, entschieden sich die meisten dafür, auf eine menschliche Reaktion zu warten. Nach den Gründen befragt, gaben sie an, sie wollten echte Empathie und emotionale Unterstützung erhalten – auch wenn sie länger darauf warten müssen. Diejenigen, die eine sofortige KI-Antwort wählten, gaben als Gründe vor allem die Schnelligkeit an sowie Neugier auf die Fähigkeiten der KI.
„Wir treten in ein Zeitalter ein, in dem KI Antworten produzieren kann, die empathisch aussehen und klingen“, sagt Rubins Kollegin Anat Perry. „Aber diese Forschung zeigt, dass KI zwar Empathie simulieren kann, Menschen aber immer noch das Gefühl bevorzugen, dass ein anderer Mensch sie wirklich versteht, mit ihnen fühlt und sich um sie sorgt.“ Die höhere Wartezeit auf eine Antwort kann den Forschenden zufolge sogar einen positiven Effekt haben: Sie vermittelt den Menschen das Gefühl, dass sich eine andere Person Zeit für ihre Probleme nimmt und sich tiefgehend damit beschäftigt – ein wichtiger Faktor für den Aufbau zwischenmenschlicher Bindungen.





