Geht es um die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien, stehen meist die Risiken der neuen Technologie im Fokus. Sie macht es böswilligen Akteuren einfacher denn je, gefälschte Inhalte zu erstellen und Menschen damit zu täuschen und zu manipulieren. Da große Sprachmodelle ihre Aussagen meist auf kompetent klingende Weise vermitteln, wirken KI-generierte Falschinformationen oft besonders überzeugend – selbst wenn die Inhalte in Wirklichkeit keine Faktengrundlage haben.
Doch empfänglich für Fakten?
Ein Team um Thomas Costello vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge hat nun gezeigt, wie sich diese Überzeugungsfähigkeiten von KI zum Guten einsetzen lassen: In zwei Experimenten mit insgesamt über 2.000 Teilnehmenden war der Chatbot ChatGPT-4 Turbo in der Lage, Verschwörungstheorien individuell, faktenbasiert und nachvollziehbar zu widerlegen, sodass die Verschwörungsgläubigen danach weniger überzeugt von den falschen Behauptungen waren. „Der Glaube an Verschwörungstheorien ist bekanntermaßen hartnäckig. Einflussreiche Hypothesen gehen davon aus, dass sie wichtige psychologische Bedürfnisse befriedigen und somit nicht für Gegenbeweise zugänglich sind“, schreiben Costello und sein Team. „Unsere Ergebnisse deuten hingegen darauf hin, dass viele Anhänger von Verschwörungstheorien ihre Ansichten revidieren können, wenn ihnen ausreichend überzeugende Beweise vorgelegt werden.“
Die Testpersonen glaubten eigenen Angaben zufolge an mindestens eine Verschwörungstheorie – darunter zu Covid-19, den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001, der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2020 oder der Mondlandung. Für die Studie baten die Forschenden die Probanden, mit ChatGPT-4 Turbo über eine selbstgewählte Verschwörungstheorie zu diskutieren. ie KI hatte dabei die Anweisung, ihr Gegenüber argumentativ von dessen Überzeugung abzubringen. In drei Interaktionsrunden ging der Chatbot individuell auf die von den Probanden angeführten Argumentationen ein und lieferte maßgeschneiderte, faktenbasierte Gegenbeweise. Da die Antworten des Chatbots in vielen Fällen mehrere hundert Wörter umfassten, dauerten die Gespräche durchschnittlich 8,4 Minuten.
Geschickte Argumentation
Vor und nach der Intervention gaben die Probanden an, wie überzeugt sie von der jeweiligen Verschwörungstheorie waren. Das Ergebnis: „Viele Verschwörungsgläubige waren tatsächlich bereit, ihre Ansichten zu ändern, wenn ihnen überzeugende Gegenbeweise vorgelegt wurden“, so Costello. „Ich war zunächst ziemlich überrascht, aber als ich mir die Gespräche durchlas, war ich weniger skeptisch. Die künstliche Intelligenz lieferte in jeder Gesprächsrunde seitenlange, sehr detaillierte Erklärungen, warum die jeweilige Verschwörung falsch war – und war außerdem geschickt darin, freundlich zu sein und eine Beziehung zu den Teilnehmern aufzubauen.“





