Hinter Paula Witkowski lag eine hektische Nacht. Am Vorabend hatte die Freundin ihres Sohnes bei der Familie gebadet, später im Club über Schwindel sowie Übelkeit geklagt und kurzzeitig das Bewusstsein verloren. Die Notaufnahme testete die junge Frau ohne Befund auf K.-o.-Tropfen, Drogen und Alkohol. Auf Kohlenmonoxid untersuchten die Ärzte sie nicht – das Protokoll sieht dies nur bei begründetem Verdacht vor. Ein fataler Fehler.
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von Güven Purtul
Hinter Paula Witkowski lag eine hektische Nacht. Am Vorabend hatte die Freundin ihres Sohnes bei der Familie gebadet, später im Club über Schwindel sowie Übelkeit geklagt und kurzzeitig das Bewusstsein verloren. Die Notaufnahme testete die junge Frau ohne Befund auf K.-o.-Tropfen, Drogen und Alkohol. Auf Kohlenmonoxid untersuchten die Ärzte sie nicht – das Protokoll sieht dies nur bei begründetem Verdacht vor. Ein fataler Fehler.
Zwar ging es der Patientin am nächsten Tag besser, doch als die Witkowskis vom Krankenhausbesuch zurückkehrten, lag der jüngere Sohn Jan bereits in der Badewanne. Paula Witkowski legte sich erschöpft aufs Sofa, übermannt von einer plötzlichen Müdigkeit. Zu diesem Zeitpunkt ahnte sie nichts von der unsichtbaren Gefahr, die durch die gesamte Wohnung flutete. Weil Jan ungewöhnlich lange im Bad brauchte, sah sie nach dem Rechten – und fand ihren Sohn reglos in der Wanne. „Ich habe geschrien und sofort die Rettung gerufen, mein älterer Sohn versuchte, ihn wiederzubeleben“, erinnert sie sich.
Als kurz darauf die Johanniter eintrafen, ertönte bereits im Treppenhaus ein Warngerät, das die Rettungskräfte zur Eigensicherung an der Kleidung tragen. Der Sensor schlug Alarm wegen giftigen Kohlenmonoxids (CO), das sich im Mehrfamilienhaus ausgebreitet hatte. Die Feuerwehr evakuierte das Gebäude umgehend und sperrte die Straße ab. Sechs Nachbarn und die Familie mussten ins Krankenhaus. Für Jan kam jede Hilfe zu spät: Nach einer Stunde brachen die Retter die Wiederbelebung ab.
Der Tod des 14-Jährigen ist kein Einzelfall. Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes zählt jährlich mehrere Hundert Todesfälle durch Kohlenmonoxid bei rund 5.000 Vergiftungen in ganz Deutschland. Zwar entfällt ein großer Teil davon auf Suizide. Dennoch bleibt das Gas die häufigste Ursache für unbeabsichtigte, tödliche Vergiftungen, sieht man von Alkohol- und Drogenmissbrauch ab. Auch Opfer von Wohnungsbränden sterben meist nicht an den Flammen, sondern am Kohlenmonoxid im Brandrauch. Das Problem: Die optischen Sensoren der gesetzlich vorgeschriebenen Rauchmelder an den Zimmerdecken reagieren lediglich auf Schwebeteilchen in der Luft, das gasförmige Kohlenmonoxid ignorieren sie völlig.
Dafür gibt es spezielle Warnmelder, deren elektrochemische Sensoren den CO-Gehalt der Luft regelmäßig überprüfen. Dieses Prinzip führt seltener zu Fehlalarmen als die Technik von Rauchmeldern. Zudem kosten die Geräte im Handel ab etwa 30 Euro und retten Leben – vor allem dort, wo Menschen mit fossilen Brennstoffen wie Holz, Kohle, Öl oder Gas heizen.
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CO entsteht immer dann, wenn kohlenstoffhaltige Stoffe bei unzureichender Sauerstoffzufuhr verbrennen. Eine ideale Verbrennung liefert ausschließlich ungiftiges Kohlendioxid (CO2). Sobald der Flamme jedoch hinreichend Sauerstoff fehlt, bildet sich das giftige CO. Dessen Anteil steigt mit zunehmendem Sauerstoffmangel, weil die Verbrennung dann immer unvollständiger verläuft. Da dies bei Holz die Regel ist, sind Waldbrände eine wichtige natürliche Quelle. Auch der Rauch am Lagerfeuer enthält das Gas, an der frischen Luft verwirbelt er jedoch schnell. Lebensgefährlich wird es dort, wo der Luftaustausch blockiert ist – etwa in Bodensenken oder beim Kochen im geschlossenen Zelt.
Auch Holzöfen emittieren beträchtliche Mengen Kohlenmonoxid. Bereits kleine Undichtigkeiten oder Fehlbedienungen, wie ein zu frühes Öffnen der Ofentür, können Vergiftungen nach sich ziehen. Ein sauberer Schornstein kann das Überleben sichern, da sonst Verstopfungen die Abgase zurück in den Wohnraum drücken. Das Entfernen der Kadaver von Kleinsäugern und Vögeln oder gar ganzen Nestern gehört deshalb zu den Kernaufgaben von Schornsteinfegern.
Mit CO ist nicht zu spaßen, denn das tückische Gas ist für unsere Sinne nicht wahrnehmbar: Es ist unsichtbar, geruchlos und geschmacklos. Es reizt nicht einmal die Schleimhäute. Eine CO-Vergiftung beginnt schleichend: Betroffene klagen zunächst über Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Unwohlsein – Symptome, die man eher einem beginnenden Infekt zuschreibt.
Im Körper blockiert CO die Sauerstoffversorgung lebenswichtiger Organe. Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin (Hb), der normalerweise den Sauerstoff aus der Lunge aufnimmt und im Körper verteilt, besitzt eine fatale Affinität zu Kohlenmonoxid. Das Gas bindet sich an den Farbstoff und bildet sogenanntes Carboxy-Hämoglobin (COHb). Steigt dieser Wert im Blut auf über 60 Prozent, führt das innerhalb weniger Minuten zum Tod durch Atemlähmung oder Herzversagen. Nach Jans Tod ergab die Obduktion einen COHb-Wert von 62 Prozent – trotz einstündiger Reanimation.
Zum Vergleich: Normalerweise liegt der COHb-Wert im Blut unter einem Prozent.Bei Rauchern erreicht er durch den Zigarettenrauch drei bis zehn Prozent, was das Risiko für Gefäß- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Eine routinemäßige COHb-Messung bei Notfällen oder der Leichenschau könnte eine hohe Dunkelziffer aufdecken – etwa bei Senioren, die friedlich vor ihrem gemütlichen Kamin eingeschlafen sind und bei denen Mediziner auf den ersten Blick einen natürlichen Tod vermuten.
Im Fall der Familie Witkowski stand die Ursache schnell fest: Die Gas-Wasser-Kombitherme machte schon länger Probleme. Der Schornsteinfeger hatte sie drei Jahre zuvor stillgelegt, dann wurde sie jedoch repariert und wieder in Betrieb genommen. Nach Jans Tod stellte ein Sachverständiger „starke Verschmutzungen“ am Wärmetauscher und an den Strömungssicherungen fest. Die Abgase wiesen einen extrem hohen CO-Wert von 6.613 ppm (Parts per Million) auf – normal sind bei Gasfeuerungen Werte von unter 100 ppm. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass auch die Freundin von Jans Bruder am Vortag eine CO-Vergiftung erlitten hatte.
Verschmutzungen führen bei sogenannten raumluftabhängigen Heizungen, die ihren Sauerstoff direkt aus dem Wohnraum ziehen, schnell zu akutem Luftmangel. Das Abgassystem kollabiert. Energetische Sanierungen vergrößern dieses Risiko noch: Luftdichte Fenster oder Zugluftstopper an den Türen isolieren Räume so perfekt, dass für die Heizung bei geschlossenem Fenster schlicht nicht mehr genügend Frischluft nachströmt.
Ein zusätzlicher Risikofaktor kann der gleichzeitige Betrieb von mobilen Klimageräten oder Dunstabzugshauben sein. Im Jahr 2025 starb in Iserlohn ein 37-jähriger Mann, weil seine Klimaanlage beim Ansaugen der Raumluft einen starken Unterdruck erzeugte. Dieser war kraftvoller als der natürliche Abzug des Schornsteins – die giftigen Abgase der Gastherme strömten zurück in die Wohnung.
Rechtliche Grauzone
Zwar schreibt die Kehr- und Überprüfungsverordnung (KÜO) eine jährliche CO-Messung vor, doch der Fall Witkowski offenbart eine rechtliche Grauzone. Sechs Wochen vor dem Unfall hatte der Schornsteinfeger einen stark erhöhten Wert von 598 ppm gemessen und den Vermieter zur Wartung aufgefordert. Da der offizielle Grenzwert der Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BImSchV) jedoch bei 1.000 ppm liegt, durfte der Handwerker die Anlage nicht stilllegen oder eine harte Frist setzen. Der Vermieter saß die Empfehlung aus, ein Strafverfahren gab es nicht. Iris Dohmen vom Zentralinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks betont: „Die Schwelle zwischen einer fachlichen Empfehlung und einer hoheitlich durchsetzbaren Maßnahme muss auf einer gesetzlichen Grundlage beruhen.“
Aus der Notfallmedizin kommt deshalb Kritik. Alexander Lechleuthner, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Köln, fordert eine gesetzliche Wartungspflicht für Vermieter. Bisher wälzen diese die Aufgabe häufig im Mietvertrag auf die Mieter ab: „Aus Geldmangel oder Nachlässigkeit unterbleiben dann die regelmäßigen Wartungen, was in Mehrfamilienhäusern das Risiko für viele erhöht.“ Das Gefährdungspotenzial von CO unterschätzen viele. „Wir hatten schon mehrere Fälle, bei denen Kinder im Bad verstarben“, so Lechleuthner. Obwohl Gasfeuerungen im Grunde sicher und umweltfreundlich arbeiten, führen technische Störungen immer wieder zu Unfällen.
Doch wie oft passiert das eigentlich? Die amtliche Statistik der Todesfälle hilft hier nicht weiter, da sie die Fälle nicht nach den verschiedenen Heizungsarten aufschlüsselt. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) wiegelt ab: „Vergiftungen mit CO fallen nicht in die Zuständigkeit des DVGW, hierüber führen wir keine Statistiken“, schreibt ein Sprecher auf Anfrage.
Laut Erhebungen des Schornsteinfegerhandwerks gab es 2025 CO-Messungen an etwa 5,4 Millionen raumluftabhängigen Gasfeuerungsanlagen, wobei der Grenzwert von 1.000 ppm bei etwa 1,2 Prozent überschritten wurde. Das bedeutet aber keineswegs die automatische Außerbetriebnahme. Es bewähre sich „für den Regelfall eine Frist von circa acht bis zehn Tagen“ bis zur Wartung, so Dohmen. Wie oft Schornsteinfeger Gasanlagen tatsächlich stilllegen, weiß der Zentralinnungsverband nach eigenen Angaben nicht.
Allerdings müssen Betreiber Unfälle mit gasbetriebenen Heizungen melden. Die nackten Zahlen der „Bestands- und Ereignisdatenerfassung Gas“ (2011 bis 2022) widerlegen das Gefühl der Sicherheit: Bekannt gewordene CO-Vergiftungen treten demnach häufiger auf als Verpuffungen, Explosionen oder Brände. Insgesamt machen sie 37 Prozent aller Ereignisse aus. Bei etwa zwei Unfällen pro Million Nutzer im Jahr entspricht das bundesweit statistisch einem erfassten CO-Unfall pro Monat. Angesichts von 14,5 Millionen Einzelraum-Gasfeuerungen mag das selten sein – wenn es jedoch passiert, sind die Folgen verheerend.
CO-Melder können schützen
Notfallmediziner Lechleuthner empfiehlt daher den Einsatz von CO-Meldern, besonders in Räumen mit Gasthermen, Kaminöfen oder Gasdurchlauferhitzern. Die technischen Regelwerke für Gasfeuerungen fordern dies jedoch nicht, und der DVGW sieht dafür auch keine Veranlassung: Wenn Betreiber „die vorgesehenen Betriebs- und Instandhaltungsmaßnahmen einhalten, ist weder aus rechtlicher noch aus technischer Sicht der Einsatz von CO-Sensoren gefordert“.
Dabei sind die möglichen Fehlerquellen so vielfältig, dass in Einzelfällen selbst Fachpersonal scheitert. In Hamburg standen zwei Handwerker wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht, weil 2021 eine Frau am Tag nach der Wartung ihrer Gastherme an einer CO-Vergiftung gestorben war. Die Berufungsverhandlung endete 2025 mit einem Freispruch für die Männer, da sie „bei ihrem Weggang aus der Wohnung der Geschädigten“ davon ausgehen durften, „dass der Fehler behoben war und nunmehr Mangelfreiheit vorlag“.
Neben technischen Defekten führt manchmal auch schlichtes Fehlverhalten zu Katastrophen, etwa der Betrieb von Heizpilzen oder Gasgrills in Innenräumen. Auch der Einsatz von Stromgeneratoren in Gartenlauben fordert immer wieder Todesopfer. Eine der gefährlichsten Ideen bleibt es, einen noch heißen Holzkohlengrill in die Wohnung oder Laube zu holen. Glühende Kohle besteht zu rund 90 Prozent aus reinem Kohlenstoff. In einem geschlossenen Raum ist der Sauerstoff innerhalb weniger Minuten aufgebraucht, während sich zeitgleich massive CO-Mengen bilden.
Unabhängig von der Quelle zeigt sich bei Kohlenmonoxidunfällen ein unheimliches Phänomen: Das Gas bedroht häufig auch Unbeteiligte in der Nachbarschaft. In Hessen traf es eine Frau in ihrer Wohnung, weil im Stockwerk unter ihr Männer in einem Zimmer grillten – das Gas zog einfach durch die Decke nach oben. Der 55-Jährigen wurde schwindlig und sie stürzte, aber sie überlebte. In einer Buchholzer Siedlung vergiftete das Gas die Bewohner von fünf Reihenhäusern gleichzeitig. Zehn Bewohner und zwei Sanitäter kamen mit einer CO-Vergiftung ins Krankenhaus.
Das Institut für Brand- und Katastrophenschutz in Heyrothsberge untersuchte in mehreren Forschungsvorhaben die physikalische Ausbreitung von CO in Gebäuden. Das Ergebnis ist alarmierend: Das Gas durchdringt in toxisch relevanten Mengen nahezu alle Baustoffe, selbst Betonwände und -decken. Eine CO-Quelle beim Nachbarn wird somit schnell zur Gefahr in der eigenen Wohnung. Für Feuerwehreinsätze hat dies direkte Konsequenzen, denn Einsatzkräfte müssen stets die Nachbarräume mitkontrollieren.
Ein oft verharmlostes CO-Risiko ist zudem das Shisha-Rauchen. Entgegen der Annahme, die Wasserpfeife sei milder als Zigaretten, zeigen Messungen das Gegenteil. Der Shisha-Tabak verbrennt nicht, sondern verschwelt auf glühenden Kohlenstücken. Diese Kohlen setzen pro Stunde rund 4,5 Gramm CO frei, sodass bereits der bloße Aufenthalt in einer Shisha-Bar die Gesundheit schädigen kann. Beim Shisha-Rauchen steigt der COHb-Wert im Blut bis auf über 20 Prozent. Besonders riskant ist das in schlecht belüfteten Innenräumen, denn ab 25 Prozent verlieren empfindliche Personen das Bewusstsein. Für ungeborenes Leben ist das tödlich.
Die Hamburger Gesundheitsbehörde erfasste allein für das Jahr 2017 durch eine Abfrage an den städtischen Krankenhäusern 25 Vergiftungsfälle durch Shisha-Konsum. Seit 2019 gilt das Hamburgische Gesetz zum Schutz vor gesundheitlichen Gefahren durch Kohlenstoffmonoxid. Es verpflichtet Shisha-Bars zum Einbau von Lüftungsanlagen, Rauchgasabzügen und CO-Warnern. Das strengste Landesgesetz seiner Art wird derzeit nachgeschärft, denn Kontrollen zeigten, dass Betreiber von Shisha-Einrichtungen „mitunter ihre technische Ausrüstung im Betrieb nicht oder nur unzureichend benutzen“, so die Behörde auf Anfrage. Einige Bars mussten aufgrund erhöhter CO-Konzentrationen bereits schließen. Insgesamt fehle in der Szene das Bewusstsein für die gesundheitlichen Risiken.
Das Problem betrifft auch Angestellte der Bars, die dem Rauch über ganze Schichten ausgesetzt sind. Seit Anfang 2024 gilt für CO ein strengerer Arbeitsplatzgrenzwert von 20 ppm (vorher 30 ppm). Peter Rietschel von der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) berichtet jedoch, dass die Betriebe diesen Wert im Alltag „regelmäßig überschreiten“. Zum Vergleich: Eine normale CO-Konzentration im Alltag liegt bei 0,1 bis 5 ppm. Um die Luft unter dem Grenzwert von 20 ppm zu halten, müssten Betreiber pro Shisha rund 200 Kubikmeter Frischluft pro Stunde in den Raum pressen. Das überfordert viele Anlagen und treibt die Stromkosten in die Höhe. Technische Lösungen wie Shishas mit Katalysatoren oder elektrische Heizaufsätze, die völlig ohne Kohle und CO auskommen, stoßen bei den Betreibern laut Rietschel auf Desinteresse.
Frische Holzpellets als CO-Quelle
Eine relativ neue Quelle für CO stellen Holzpellets dar: Sie sorgen nicht nur bei der Verbrennung für Kohlenmonoxid, sondern bereits im Brennstoffkeller. Bei ihrer Produktion werden Sägespäne unter starkem Druck und Wärme gepresst. Dies startet einen chemischen Autooxidationsprozess: Holzeigene Harze und Fettsäuren reagieren mit dem Luftsauerstoff und bilden unsichtbares CO. Zu früh ausgelieferte Pellets führen in den Lagerräumen schnell zu toxischen Konzentrationen, was Verbraucher jedoch kaum erkennen können.
In Wernfeld starb eine 68-jährige Frau in ihrem Schlafzimmer im Obergeschoss ihres Hauses, ihr neben ihr liegender Mann überlebte mit einer schweren Vergiftung. Das CO war aus dem Pelletlager im Keller in die darüberliegenden Wohnräume geströmt.
Dagegen entkam der Besitzer einer Pelletheizung in Bamberg dank seines CO-Warngeräts einer möglicherweise tödlichen Vergiftung. Die Feuerwehr ermittelte einen Wert von 660 ppm. In derselben Nacht evakuierten Feuerwehrleute weitere Haushalte, die aus derselben Charge beliefert worden waren.
Weniger Glück hatte der Hausmeister eines Hotels im österreichischen Lech, der Pellets nachschaufeln sollte. Er brach im Vorratslager zusammen. Der zu Hilfe herbeigeeilte Hoteldirektor verlor ebenfalls das Bewusstsein. Beide Männer wurden später tot auf den Pellets liegend gefunden.
Wie oft es zu solchen Vorfällen kommt, bleibt unklar, denn hier greift keine Meldepflicht. Der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband e.V. (DEPV) verfügt über „keine aussagekräftige Statistik“, geht aber davon aus, dass alle Unfälle auf Fehlfunktionen der Heizanlage basierten, „was zu Rückströmungen von Rauchgasen aus der Verbrennung oder zu Glimmbränden im Lager führte“.
Dagegen warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung ausdrücklich vor Vergiftungen beim Betreten von Pelletlagern, da diese noch Monate nach der Produktion CO freisetzen. Wichtige Schutzmaßnahmen seien „eine kontinuierliche Be- und Entlüftung der Lagerräume ins Freie und die Installation von CO-Meldern“. Normen für die sichere Lagerung von Holzpellets schreiben jedoch keine CO-Melder vor, sondern vor allem eine ausreichende Lagerbelüftung. „Fachgerecht ausgeführt resultiert hieraus eine sichere Lagerung, die keine Detektion erfordert“, meint DEPV-Geschäftsführer Martin Bentele.
Obwohl Pelletheizungen, wie alle Holzheizungen, viel mehr Feinstaub und CO2 emittieren als etwa Gasheizungen, vermarktet und fördert die Politik sie als klimafreundlich, da der Gesetzgeber Holz per se als erneuerbare Energie einstuft – gegen den Rat des Umweltbundesamtes. Daher finden sich Pellets immer öfter auch in Kitas, Schulen und Hotels.
Aufgrund der vielfältigen Gefahren gab es auch politische Initiativen für eine CO-Melder-Pflicht, wie es sie etwa in vielen US-Bundesstaaten und in Großbritannien bereits gibt – mit etwas unterschiedlichen Regelungen. Die zusätzlichen Kosten für Miete und Wartung würden dann jedoch auch Nutzer von Wärmepumpen oder Fernwärme betreffen, die keinem Risiko ausgesetzt sind.
Dass noch viel Aufklärungsarbeit notwendig ist, zeigt ein Vorfall aus dem Jahr 2023 im Pelletlager des Feuerwehrhotels „Sankt Florian“ in Hinterzarten: Sechs Menschen erlitten dabei eine CO-Vergiftung. Der Hausmeister, selbst ein Feuerwehr-Kommandant, musste aus dem Heizungskeller gerettet und reanimiert werden, verstarb allerdings leider am nächsten Tag. Einen CO-Melder gab es nicht. ■
Güven Purtul arbeitet als freier Journalist in Hamburg. Er schätzt Fernwärme, die sein Zuhause ohne Emissionen vor Ort beheizt.
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