Ohne Elektrizität stehen Räder still, bleibt der Bildschirm schwarz und das Essen kalt. Um Strom zu erzeugen, werden in großen Kraftwerken Kohle, Erdgas oder Öl verbrannt oder Atomkerne gespalten. Doch die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energiequellen.
Wo heute der Strom herkommt
Computer und Kühlschränke, Produktionsstraßen und Fernsehgeräte – sie alle haben eines gemeinsam: die Elektrizität, die sie zum Laufen bringt. Erzeugt wird der Strom in gigantischen Stromfabriken. Dort treiben Turbinen einen elektrischen Generator an. Rund 90 Prozent der Elektrizität werden in Deutschland auf diese Weise erzeugt. Die Turbinen werden ihrerseits von Wasserdampf in Rotation versetzt, der entweder durch die Verbrennung von Braun- oder Steinkohle oder durch Kernenergie erzeugt wird. Dabei nutzt man die Wärme, die beim Verfeuern der fossilen Energieträger oder bei der Spaltung von Uran-Atomkernen entsteht. Die Kerne des Isotops Uran-235 sind instabil: Wird ihnen Anregungsenergie zugeführt, etwa indem man ein Neutron in den Atomkern schießt, zerfallen sie in mittelschwere Kerne anderer chemischer Elemente. Durch den Zerfall wird etwa ein Zehntel der Energie frei, die den Kern zusammenhält. Diese Energie erwärmt Wasser, dessen Dampf dann eine Turbine antreibt.
Weil die rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2000 den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen hat, soll der Anteil dieser Art der Elektrizitätserzeugung am deutschen Strommix schrittweise zurückgefahren werden. Bis 2025 wären nach den derzeitigen Plänen alle deutschen Kernreaktoren vom Netz. Kritiker der Kernenergie beklagen neben dem Risiko einer Kernschmelze auch die Gefahr, dass ein Kernkraftwerk zur Zielscheibe von Terroristen werden könnte. Ein ungeklärtes Problem ist zudem die Endlagerung der radioaktiven Rückstände, die zum Teil noch mehrere Tausend Jahre lang strahlen.
Ein unbestrittener Vorteil der Kernenergie ist ihre Grundlastfähigkeit: Da Kernkraftwerke permanent zu vergleichsweise geringen Kosten betrieben werden können, lassen sie sich nutzen, um den Grundbedarf an elektrischem Strom zu decken. Dasselbe gilt auch für eine völlig andere Form der Stromerzeugung: die Nutzung der Wasserkraft – etwa durch Aufstauen von Flüssen. Über Turbinen im Staudamm lässt sich die Strömungsenergie des Wassers in elektrische Energie verwandeln. So treibt das Wasser aus dem fast 200 Meter hohen Damm in Itaipú an der Grenze von Brasilien und Paraguay 18 gigantische Turbinen an. Sie gewinnen aus der Kraft des Rio Paraná jährlich rund 90 Milliarden Kilowattstunden Strom. Das entspricht etwa einem Sechstel des Stromverbrauchs in Deutschland. Noch leistungsfähiger ist der Drei-Schluchten-Damm in China. Die über 2 Kilolometer lange und 185 Meter hohe Staumauer am Jangtsekiang wurde im Mai 2006 fertiggestellt. Ab 2009 werden 26 Turbinen Strom für Chinas aufstrebende Wirtschaft liefern. Weltweit macht der Strom aus Wasserkraft 18 Prozent der gesamten Stromerzeugung aus. Deutsche Wasserkraftwerke tragen jedoch nur bescheidene 4 Prozent zum Strommix bei. In Brasilien liegt der Anteil dagegen bei 80, in Norwegen – immerhin eines der großen Ölexportländer – sogar bei 99 Prozent.
Der Strom aus dem Wasser hat etliche Vorteile: Wasserkraftwerke haben einen hohen Wirkungsgrad. 75 bis 90 Prozent der im Wasser gespeicherten Bewegungsenergie werden in Strom umgewandelt. Und der steht auch kurzfristig bereit – denn anders als Kohlekraftwerke brauchen Wasserkraftwerke keine lange Vorlaufzeit, um betriebsbereit zu sein. Öffnet man die Schleusen, laufen die Turbinen bald an. Ein Problem sind allerdings die hohen Investitionskosten.
Während das Potenzial der Wasserkraft in Deutschland weitgehend ausgeschöpft ist, boomt die Windenergie dank gesetzlicher Förderung seit Jahren. Die majestätischen Windräder sind inzwischen in vielen Landschaften ein gewohnter Anblick. Daran drehen sich meist dreiblättrige Rotoren, die einen Durchmesser von bis zu 115 Metern haben können. Auf dem Turm ist eine drehbar gelagerte Maschinengondel angebracht. In der Gondel hängt der Rotor an einer Achse, die einen Generator antreibt, um die Windenergie in elektrischen Strom zu verwandeln. Kleine Motoren drehen die Gondel in Windrichtung. Je höher hinauf die Rotoren reichen, desto größer ist der Wirkungsgrad der Anlage, da der Wind oben gleichmäßiger und stärker weht als in Bodennähe, wo ihn Reibung und Turbulenzen bremsen.
Inzwischen hat die Windenergie einen festen Platz im deutschen Energiemix. Fast sechs Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland werden von rund 20 000 Windrädern produziert. In Zeiten, in denen der Wind stark bläst, können es sogar 20 Prozent sein. Damit ist die Windenergie derzeit der wichtigste Stromlieferant unter den regenerativen Energien hierzulande.
Die Windkraft ist zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Die Hersteller der Anlagen, die insgesamt in Deutschland rund 60 000 Beschäftigte haben und einen Umsatz von jährlich rund 4 Milliarden Euro erwirtschaften, gehören in einigen Bundesländern zu den größten Arbeitgebern. Sie exportieren ihre Produkte in die ganze Welt. Deutsche Technologie zählt hier zur Weltspitze. Laut einer Studie des Deutschen Windenergie Instituts wuchs der Windenergiemarkt in Europa 2005 um 16 Prozent, außerhalb Europas gar um 73 Prozent. Allerdings werden in Deutschland neue geeignete Standorte für Windräder knapp.
Große Hoffnung setzt die Branche daher auf Windräder auf hoher See in Offshore-Windparks. Der starke Wind über dem Meer eignet sich besonders gut für die Stromproduktion. Nachteil der Windanlagen vor der Küste sind jedoch die höheren Kosten: So muss das Material haltbarer sein als bei Anlagen auf dem Festland, um dem aggressiven Salzwasser standzuhalten. Auch die Anbindung der Offshore-Anlagen an das Stromnetz erfordert höhere Investitionen als die Anbindung einer Anlage an Land. Doch die ersten Offshore-Windparks vor der deutschen Küste sind bereits genehmigt, 2008 soll mit dem Bau begonnen werden.
Auch die Kraft des Wassers wird vermehrt genutzt. Nicht nur, dass in vielen Teilen der Welt neue Staudämme entstehen. Auch mit anderen Formen der Wasserkraft wird experimentiert, zum Beispiel mit Gezeitenstrom: Seit 40 Jahren produziert ein Gezeitenkraftwerk im französischen St. Malo jährlich 600 Millionen Kilowattstunden. Das Kraftwerk gleicht einem konventionellen Wasserkraftwerk, nur dass hier der ein- und ausströmende Gezeitenstrom die Turbinen antreibt. In der Mündung der Rance bei St. Malo beträgt der Unterschied der Tiden bis zu zwölf Meter – das ist europäischer Rekord.
Weniger aufwendig ist das vom Kasseler Institut für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) mit entwickelte Unterwasserkraftwerk Seaflow, das seit 2003 Strom aus dem Gezeitenstrom im Bristolkanal im Westen Englands gewinnt. Seaflow funktioniert wie ein Windrad, das nicht von Wind, sondern von ein- und ausströmendem Wasser angetrieben wird. Da Wasser eine viel größere Dichte als Luft hat, kann der Rotor deutlich kleiner sein. Ein Windrotor muss, um ein Megawatt Energie zu erzeugen, einen Durchmesser von 55 Metern haben. Ein Seaflow-Rotor hingegen kommt mit 20 Metern aus. Der Rotor der Pilotanlage in England, der einen Durchmesser von 11 Metern besitzt, war für eine Leistung von 300 Kilowatt ausgelegt, doch die Anlage schafft 25 Prozent mehr. Damit Seaflow sowohl bei Ebbe als auch bei Flut Energie erzeugt, lassen sich die Rotorblätter um 180 Grad drehen.
Die zweite Generation der Gezeitenturbinen, SeaGen genannt, verfügt über zwei Rotoren und soll rund ein Megawatt Leistung erzeugen. Eine Pilotanlage baut Seaflow-Betreiber Marine Current Turbines (MCT) seit Kurzem vor Nordirland. Erste kommerzielle Strömungsenergieparks plant MCT im Bristolkanal und vor der walisischen Küste. Die deutschen Küsten kommen als Standort nicht in Frage: Das Wasser ist zu flach und die Strömungsgeschwindigkeit zu gering.
Eine andere kostenlose Energiequelle ist das Licht der Sonne. Die Energie darin lässt sich mithilfe der Photovoltaik nutzen und in elektrischen Strom umwandeln: Kurzwelliges Licht trifft auf ein Metall und die auftreffenden Photonen lösen Elektronen aus der Oberfläche. Solarpaneele mit einer Oberfläche aus Silizium erzeugen vielerorts hierzulande elektrischen Strom aus Sonnenlicht. Die blau schimmernden Rechtecke zieren immer mehr Dächer, seit Hausbesitzer von den Energieversorgern eine satte Vergütung für den eingespeisten Strom erhalten.
Ende 2005 erreichte die Leistung der bundesweit installierten Photovoltaikanlagen einen Spitzenwert von rund 1,5 Gigawatt. Das entspricht der Leistung eines großen konventionellen Kraftwerks. Das Manko des Solarstroms: Wie der Wind steht das Sonnenlicht nicht dauerhaft und verlässlich zur Verfügung. Und anders als der Wind ist es zwar besser berechenbar, doch optimale Bedingungen für die Solarzellen – eine Bestrahlungsstärke von etwa 1000 Watt pro Quadratmeter – werden in Mitteleuropa selten erreicht. Sinkt die Bestrahlungsstärke, ist auch der Wirkungsgrad der Anlage geringer.
Dennoch ist der Solarmarkt eine Wachstumsbranche: In den letzten zehn Jahren hat sich die installierte Leistung verhundertfacht. Mit im Spiel sind auch einige der großen Ölgesellschaften wie Shell und BP. Shell war am Bau der größten Photovoltaikanlage der Welt beteiligt, die im Frühjahr 2006 im niederbayrischen Pocking eingeweiht wurde. Die Anlage, bestehend aus knapp 60 000 Modulen, erzeugt genug Strom, um mehr als 3000 Einfamilienhäuser mit Strom zu versorgen.
Nicht nur unwägbare Sonnentage machen der Photovoltaik zu schaffen. Die Module müssen zudem wie Computerchips in Reinräumen gefertigt werden – ein Aufwand, der sich im Preis für die Paneele und den damit erzeugten Strom niederschlägt. Doch in den USA entwickelte neuartige Solarzellen könnten der Photovoltaik zum Durchbruch verhelfen. In den Zellen arbeiten Nanostrukturen, die das Licht in Strom verwandeln, als Sonnenkollektoren. Als Trägermedium dient eine hauchdünne Kunststoffschicht. Damit sind die Module sehr flexibel und können der Form jeder beliebigen Unterlage angepasst werden. Die Herstellung ist denkbar einfach: Die Zellen werden schlicht auf die Kunststofffolie gedruckt. Die Nanosolarzellen haben außerdem den Vorteil, dass sie wegen ihrer größeren Oberfläche einen höheren Wirkungsgrad besitzen. Die Hersteller – Nanosys und Nanosolar aus dem kalifornischen Palo Alto und Konarka aus Lowell in Massachusetts – rechnen damit, dass ihre Nanozellen Ende des Jahrzehnts in die Massenfertigung gehen.
Photovoltaik ist nur eine Möglichkeit, Strom aus Sonnenenergie zu gewinnen. Außerdem gibt es Sonnenwärmekraftwerke und Aufwindkraftwerke, die konventionellen Kraftwerken ähneln. In ihnen wird ein Medium erhitzt, um eine Turbine anzutreiben. Sonnenwärmekraftwerke bestehen aus einem Park von Spiegeln, die das Sonnenlicht auf einer Brennlinie oder einem Brennpunkt bündeln. Dort befindet sich ein Rohr oder ein Tank, die mit einem flüssigen oder gasförmigen Wärmemedium gefüllt sind, das durch das gebündelte Sonnenlicht erhitzt wird. Über einen Wärmetauscher wird Dampf erzeugt, um eine Turbine anzutreiben.
Seit den Achtzigerjahren erzeugen solche Kraftwerke in Kalifornien und Nevada Strom aus der Kraft der Sonne. Nun will man auch in Europa die Solarthermie nutzen. Im Juni 2006 hat das Erlanger Unternehmen Solar Millennium in der Sierra Nevada in Südspanien mit dem Bau des ersten europäischen Parabolrinnen-kraftwerks begonnen. Es soll 2008 in Betrieb gehen und wird mit einer Kollektorfläche von über 500 000 Quadratmetern das größte Solarkraftwerk der Welt sein. Sogar in mitteleuropäischen Breiten soll die Solarthermie mitmischen: Unter Mitwirkung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt wird bis 2008 in Jülich ein Solarturmkraftwerk mit 1,5 Megawatt Leistung entstehen.
In Manzares, rund 150 Kilometer südlich von Madrid, steht seit 1982 das erste Aufwindkraftwerk der Welt. Es hat ein großes Glasdach mit einem Radius von 122 Metern, unter dem sich die Luft aufheizt. In der Mitte des Glasdachs befindet sich ein knapp 200 Meter hoher Kamin, durch den die erhitzte Luft nach oben steigt und dabei eine Turbine in Rotation versetzt. Der Vorteil des Aufwindkraftwerks gegenüber anderen Solaranlagen ist, dass es noch nach Sonnenuntergang Strom liefert. Denn tagsüber heizt sich unter dem Glasdach auch der Boden auf. Da er nur langsam abkühlt, erwärmt er die Luft in den Abendstunden.
Nachdem die Testanlage gezeigt hat, dass die Technik funktioniert, plant das australische Unternehmen Enviromission nun das erste kommerzielle Thermikkraftwerk in Südostaustralien, ein Projekt von babylonischen Ausmaßen: Einen Kilometer hoch soll der Turm in den Himmel ragen, sein Durchmesser soll über anderthalb Kilometer groß sein. Die Anlage wird eine Grundfläche von 38 Quadratkilometern einnehmen. Unter dem Sonnendach wird es recht stürmisch zugehen: Mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde rast die Luft durch die Turbinen. Die Leistung des Aufwindkraftwerks, dessen Inbetriebnahme für 2010 geplant ist: 200 Megawatt – genug, um 200 000 Menschen mit Strom zu versorgen.
Wie früher Energie erzeugt wurde
Schon früh nutzten die Menschen die Wasserkraft. Sie versahen Wasserräder mit Getrieben, die Mühlsteine, Hämmer, Sägen und viele andere Geräte bewegten. Die Blütezeit der Wasserräder in Europa war Mitte des 19. Jahrhunderts, obwohl da bereits das Maschinenzeitalter begonnen hatte. Mit der Erfindung der Dampfmaschine war die Nutzung von Energie durch Verbrennung fossiler Brennstoffe in großem Stil möglich geworden. Dennoch drehten sich um 1920 noch 30 000 Räder an Deutschlands Bächen und Flüssen.
Was aber tun, wenn kein Wasser zur Verfügung stand? Eine andere Kraft der Natur bot sich an: der Wind. Segel oder Flügelräder fingen die bewegte Luft ein und wandelten ihre Strömung in Vortrieb oder mechanische Energie. Über Zahnräder und Mahlwerke trieb der Wind Pumpen oder Mühlsteine an. Im Lauf der Zeit wurden die Windräder weiter verbessert: Die ersten Windmühlen hatten noch eine vertikale Achse. Später wurden sie durch leistungsfähigere Mühlen mit einer horizontalen Achse und vertikalem Rotor abgelöst. Bewegliche Aufsätze erlaubten es, den Rotor in den Wind zu drehen und so Wind aus verschiedenen Richtungen zu nutzen. Mit Erfindung der amerikanischen Westernmill wurden die Windräder auch sturmfest: Ein Ausleger mit einer Windfahne sorgt dafür, dass sich das Rad stets in den Wind dreht. Ende des 19. Jahrhunderts modifizierte der amerikanische Erfinder Charles F. Brush eine Westernmill so, dass sie sein Haus mit elektrischem Strom versorgte.
Auch die Anfänge der Photovoltaik liegen schon lange zurück. Der französische Physiker Edmond Bequerel entdeckte 1839 den photoelektrischen Effekt, auf dem die Erzeugung von Strom aus Sonnenlicht basiert. Bequerel hatte eine Batterie in der Sonne liegen gelassen und festgestellt, dass das Sonnenlicht deren Lebensdauer verlängerte. Die heute gebräuchlichen Solarpaneele aus Silizium wurden erstmals in der Raumfahrt genutzt: Der 1958 in den Orbit geschossene amerikanische Satellit „Vanguard 1″ bezog seine elektrische Energie aus Solarzellen.
Woher morgen der Strom kommt
Knapp werdende Rohstoffe, der Klimawandel sowie der Versuch, sich unabhängig von Brennstoffen aus politisch instabilen Regionen zu machen, haben zu einem Umdenken in der Energiepolitik geführt. Statt Energie aus der Verbrennung von Kohle, Gas oder Öl zu gewinnen, sucht man nach neuen Konzepten – oder erinnert sich an alte Methoden: Wind, Wasser und Sonne sollen wieder Lampen glühen und Räder rotieren lassen. Doch Sonne und Wind halten sich kaum an Spitzenverbrauchszeiten. Eine Vollversorgung mit regenerativer Energie ist daher schwierig.
Dennoch könnte auf lange Sicht die Sonne die Energieprobleme lösen helfen – über die Kernfusion. Dieser „Motor” der Sonne liefert Energie durch das Verschmelzen von Wasserstoff- zu Helium-kernen. 2005 beschlossen die Staaten der EU, Japan, Schweiz, Russland, China, Südkorea, Indien und die USA den Bau eines Fusionsreaktors, des International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) im südfranzösischen Cadarache.
Eine der größten Schwierigkeiten bei der Fusion zweier – positiv geladener – Atomkerne ist die Abstoßung. Um sie zu überwinden, bedarf es recht ungemütlicher Umstände: Im Innern der Sonne herrschen ein Druck von 200 Milliarden Bar und eine Temperatur von 15 Millionen Grad Celsius. Doch dieser gewaltige Druck ist in einem Reaktor nicht zu erzeugen. Deshalb muss die Zündtemperatur dort noch deutlich höher liegen. Das geht nur in einem Vakuum, wo Magnetfelder ein Plasma aus Wasserstoff-Isotopen festhalten. Wird es auf mehrere Hundert Millionen Grad erhitzt, verschmelzen die Wasserstoff-Kerne zu Helium-Kernen. Diese Reaktion setzt enorme Energiemengen frei: Die Fusion von Deuterium und Tritium zu einem Kilogramm Helium liefert etwa 120 Millionen Kilowattstunden – 12 Millionen Mal so viel wie das Verbrennen von Steinkohle.
Anders als die Kernspaltung ist die Fusion von Atomkernen relativ sicher und sauber. Da die Bedingungen für das Zünden der Fusionsreaktion nur unter großem Aufwand zu erreichen sind und sich zudem stets nur etwa ein Gramm Brennstoff in der Plasmakammer befindet, ist eine unkontrollierte Kettenreaktion ausgeschlossen – und Abfall gibt es kaum. Das übrig bleibende Tritium ist zudem mit seiner Halbwertszeit von 12,3 Jahren recht harmlos. Allerdings können die Baumaterialien, etwa die Brennkammerwände, durch den Beschuss mit Fusionsneutronen in strahlendes Material verwandelt werden, das aber nach 50 Jahren weitgehend zerfallen ist. Doch bis die künstliche Sonne auf der Erde zu leuchten beginnt, muss noch viel Kohle und Erdöl verbrannt werden: Der ITER wird nicht vor 2015 einsatzbereit sein. Erste kommerzielle Fusionsreaktoren sollen Mitte des 21. Jahrhunderts ans Netz gehen.
Bis dahin wird wohl auch die Wärme aus dem Inneren der Erde für Heizung und Strom sorgen. Mehr als 90 Prozent unseres Planeten sind heißer als 1000 Grad Celsius – eine schier unerschöpfliche Energiequelle. Pioniere in der Nutzung der Erdwärme sind die Italiener: Das älteste Geothermie-kraftwerk steht im toskanischen Larderello. Dort wird seit rund 100 Jahren Strom mit Wasserdampf aus der Erde erzeugt. In Island, wo die Hitze bis zur Erdoberfläche reicht, liefert die Erdwärme Strom, heizt Häuser, Bäder und sogar Straßen.
Anderenorts muss man tief bohren, um die Erdenergie anzapfen zu können. Das erste deutsche Geothermie-kraftwerk in Neustadt-Glewe in Mecklenburg-Vorpommern etwa fördert aus zwei Kilometern Tiefe knapp 100 Grad heißes Salzwasser. Oben angekommen gibt das Wasser in einem Wärmetauscher seine Energie ab und wird dann zurück in die Tiefe gepumpt. Seit 1994 heizen die Neustädter mit Erdenergie ihre Wohnungen. Seit Ende 2003 erzeugt die Anlage zusätzlich elektrischen Strom.
Gibt es kein heißes Tiefenwasser, kann auch Oberflächenwasser in die heißen Schichten gepumpt werden. Im Untergrund fließt es durch Risse und Spalten, wo es sich erwärmt. Sind die natürlichen Hohlräume nicht groß genug, presst man Wasser mit großem Druck in die Tiefe, um die Spalten und Klüfte zu weiten oder um die Durchlässigkeit des Gesteins zu erhöhen.
Die Geothermie fristet in Deutschland ein Nischendasein. Allerdings gibt es viele geeignete Standorte, etwa im Oberrheingraben, in Bayern, der Eifel und Norddeutschland. Dort könnten nicht nur Großanlagen gebaut werden. Die Erdwärme ließe sich auch von privaten Hausbesitzern nutzen. ■
Werner Pluta
Ohne Titel
Seit 15 Jahren sind die grossen Energieversorger verpflichtet, Strom, der von unabhängigen Anbietern erzeugt wird, in ihre Netze einzuspeisen und den Erzeugern dafür eine Vergütung zu zahlen. 2000 wurde dieses Stromeinspeisungsgesetz durch das weitergehende Gesetz zum Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) ersetzt. Das EEG unterstützt den Bau von Anlagen zur Stromerzeugung aus regenerativen Quellen und verpflichtet die Energieversorger, die Anlagenbetreiber ordentlich zu vergüten – und zwar 20 Jahre lang. Bei Wasserkraftwerken können es sogar 30 Jahre sein. Nach der Novellierung 2004 betrugen die Vergütungssätze im Jahr 2005 zwischen etwa 5 Cent pro Kilowattstunde für Strom aus Windkraft und 56 Cent je Kilowattstunde für Solarstrom aus kleinen Fassadenanlagen.
Bis 2020 soll der Anteil des Stroms aus Wind, Wasser, Sonne und Erdwärme an der Stromgewinnung in Deutschland mindestens 20 Prozent betragen. Das scheint nicht unrealistisch: Laut dem Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) liegt der Anteil derzeit schon bei 12 Prozent. Allein in den ersten vier Jahren nach Inkrafttreten des EEG ist die Menge des Ökostroms auf das 2,5-Fache gestiegen, berichtet das Bundesumweltministerium (BMU). Die Folge: 2004 wurden etwa 70 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger ausgestoßen als vier Jahre zuvor, wovon, wie das BMU betont, „33 Millionen Tonnen direkt auf das EEG zurückzuführen sind”. Der Boom der Erneuerbaren Energiequellen sorgt auch für neue Arbeitsplätze: 2006 gab es laut BMU rund 214 000 Erwerbstätige in dieser Branche, 2005 waren es noch 170 000 gewesen.
Für die Verbraucher bringt das EEG einen Nachteil: Die Großanbieter dürfen die gezahlte Vergütung auf ihre Strompreise aufschlagen. Letztlich zahlen also alle Kunden den Ökostrom.





