Enorme elektrische Ströme von bis zu 80.000 Åmpere leiteten Wissenschaftler des Forschungszentrum Karlsruhe durch eine supraleitende Magnetspule. Dieser Weltrekord ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu dem künftigen Fusionstestreaktor ITER. In diesem soll das Sonnenfeuer in einem 100 Millionen-Grad heißem Plasma entzündet werden. Um ein solches Plasmas sicher einzuschließen, benötigen die Wissenschaftler gigantische Magnetfelder.
60 Tonnen wiegt die supraleitende Modellspule der Karlsruher Forscher. Bei Temperaturen von etwa minus 269 Grad Celsius hat sie nun ihre Bewährungsprobe bestanden. Ströme von bis zu 80.000 Åmpere flossen durch die supraleitende Spule. Damit stellt sie einen neuen Rekord im Stromdurchfluss auf.
Gewöhnliche Spulen brauchen zu viel Energie, um die nötigen Magnetfelder von etwa 13 Tesla zu erzeugen ? das entspricht dem 200.000-fachen des Erdmagnetfeldes. Supraleitende Materialien leiten Strom verlustfrei, da beim Stromfluss keine Wärme erzeugt wird.
Der Iter (International Thermonuclear Experimental Reaktor) ist die nächste Stufe auf dem Weg zum Fusionskraftwerk. Aus diesem Testreaktor sollen wissenschaftliche und technische Erkenntnisse für den Fusionsreaktor gewonnen werden. Um den ITER-Standort hat sich als erstes Kanada beworben, Standortvorschläge der EU und aus Japan werden nach der Sommerpause erwartet.
Jan Oliver Löfken