Schleichende Gefahr: Die Bodensenkung ist in vielen Teilen der Welt zum Problem geworden – vor allem in Ballungsräumen und Küstenregionen. Durch das Gewicht der Bebauung und eine übermäßige Entnahme von Grundwasser, Erdöl oder anderen Ressourcen gibt der Untergrund unter vielen Großstädten nach. Die Folge sind eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Überschwemmungen, aber auch Schäden an Gebäuden und wichtigen Infrastrukturen.
Messen lässt sich die Subsidenz mithilfe von hochaufgelösten Daten von Radarsatelliten: Wenn man Aufnahmen aus verschiedenen Zeiten miteinander verrechnet, entsteht ein Interferenzmuster. Dieses verrät, ob sich die Erdoberfläche unter einer Stadt abgesenkt hat und wie stark. Allerdings werden dabei oft unterschiedliche Methoden und Referenzhöhen verwendet. „Eine auf einheitlichen InSAR-Methoden beruhende hochauflösende globale Kartierung der Bodensenkung in Großstädten fehlte daher bislang“, erklären Lijun Wang von der Universität Peking und seine Kollegen.
Stärkste Bodensenkung bei Großstädten in Asien
Das hat sich nun geändert: Wang und sein Team haben die Bodensenkung von 465 Millionenstädten erstmals hochauflösend und nach weltweit einheitlichen Maßstäben kartiert. Dafür analysierten sie Radardaten des europäischen Sentinel-1-Satelliten aus der Zeit von 2014 bis 2023. Für die in 107 Ländern und auf allen bewohnten Kontinenten gelegenen Großstädte ermittelte das Team sowohl die relative Subsidenz – die Absenkung im Vergleich zum Umland – als auch die Absenkung im Vergleich zu einer mittels GPS festgelegten einheitlichen Referenzhöhe.
Die globale Kartierung ergab: Am stärksten und schnellsten sinken die Großstädte in Asien ab. Im Mittel senkt sich der Untergrund in asiatischen Großstädten um 33 Millimeter pro Jahr. – das ist gut zehnmal mehr als bei europäischen Großstädten mit durchschnittlich drei Millimetern pro Jahr, wie das Team ermittelte. In Afrika liegt die Subsidenz im Mittel bei sechs Millimetern pro Jahr, in Nordamerika bei 17 Millimetern.
Die Top Ten: Welche Städte sinken am schnellsten?
Die weltweit am stärksten von einer relativen Bodensenkung betroffenen Städte sind Medan und Bandung in Indonesien mit 33 und 22 Millimeter Senkung pro Jahr. Darauf folgen Torréon und Mexico City in Mexiko, Isfahan im Iran, Tianjin in China und Chittagong in Bangladesch. Auf den Rängen acht bis zehn liegen Florianopolis in Brasilien, Rangun in Myanmar und Toluca in Mexiko. „Damit liegen sechs der zehn am schnellsten absinkenden Großstädte in Asien“, berichten Wang und seine Kollegen.
Diese Top-Ten-Liste und ihre Werte beziehen sich auf den stadtweiten Durchschnitt. Typischerweise variiert die Subsidenz aber auch innerhalb einer Stadt stark. So sinken beispielsweise Teile von Mexico City um 21,7 Zentimeter pro Jahr ab – das ist Rekord. Auch im indonesischen Bandung erreichen einige Stadtteile Subsidenzwerte von mehr als 11,5 Zentimetern pro Jahr, wie die Forschenden ermittelten.
Deutsche Großstädte stabil, asiatische stark wechselnd
In Deutschland ist Berlin am stabilsten: Die deutsche Hauptstadt senkt sich pro Jahr nur um 0,2 Millimeter. Etwas mehr – aber immer noch minimal – ist die relative Bodensenkung bei den Großstädten des Ruhrgebiets und Rheinlands: In Duisburg, Düsseldorf und Köln liegt die Subsidenz bei 0,8 bis 1,3 Millimetern pro Jahr, im ähnlichen Bereich liegen Frankfurt am Main, Stuttgart, Mannheim und München. Auch für Hamburg ermittelte das Team nur eine Bodensenkung von rund 1,3 Millimetern pro Jahr.
Für die Millionenstädte in Deutschland und die meisten europäischen Großstädte ist die Bodensenkung im weltweiten Vergleich demnach gering und relativ stabil. Deutlich stärker hat sich die Subsidenz im untersuchten Neunjahreszeitraum hingegen in vielen asiatischen Großstädten verändert – in beide Richtungen. „Diese gegensätzlichen Trends spiegeln möglicherweise die rasche wirtschaftliche Entwicklung der Region wider“, erklären die Forschenden. Zunehmende Bebauung sowie stärkere Entnahme von Grundwasser können die Subsidenz beispielsweise beschleunigen.
Wie Peking die Bodensenkung gestoppt hat
Es gibt aber auch positive Beispiele – Großstädte, die es geschafft haben, ihr Absinken durch gezielte Maßnahmen aufzuhalten oder sogar umzukehren. „Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist der Ballungsraum Peking-Tianjin-Hebei in China“, berichten Wang und seine Kollegen. Dort wurden seit 2016 Maßnahmen getroffen, um die unterirdischen Grundwasservorkommen wieder aufzufüllen. Dadurch konnten die Bodensenkungen in mehreren Stadtgebieten erfolgreich gestoppt werden.
Nach Ansicht der Forschenden liefert ihre Kartierung die Basis, um Hotspots der Bodensenkung zu identifizieren. Mit diesem Wissen könnten dann Städte und Kommunen Maßnahmen priorisieren, um eine Verschlimmerung des Trends in ihrer Stadt zu verhindern.
Quelle: Lijun Wang (Peking University, China) et al., Nature Cities, 2026; doi: 10.1038/s44284-026-00527-8





