Dazu ein Rechenbeispiel: Eine Portion Spaghetti Bolognese wiegt mit Nudeln, Hackfleisch und sonstigen Zutaten rund 300 Gramm. Geht man davon aus, dass etwa eine Schmerztablette rund 50 Milligramm pharmazeutisch wirksamer Bestandteile enthält – es gibt Arzneimittel, etwa Schlaftabletten, da sind es nicht einmal 10 Milligramm –, so verteilen sich diese 50 Milligramm, nachdem sie Speiseröhre und Magen passiert haben, im Dünndarm auf eine 6000 Mal so schwere Nahrungsmenge. Oder anders ausgedrückt: Auf jedes Milligramm Wirkstoff kommen 6000 Milligramm sonstiger Darminhalt. Und doch schafft es die Schleimhaut zuverlässig, jedes einzelne Medikamenten-Milligramm aus der Nahrungsmenge herauszufiltern, es durch seine Wand zu schleusen und ins Blut zu befördern.
Das gilt natürlich auch für die Anti-Baby-Pille. Auf fast allen Beipackzetteln der Hersteller derartiger Hormonpräparate findet sich ein Hinweis auf die Notwendigkeit einer regelmäßigen Einnahme, wobei es unerheblich sei, ob man die Pille vor oder nach der Mahlzeit einnehme. Das heißt: Auch wenn eine Frau sich unmittelbar nach dem Pillen-Schlucken ein Fünf-Gänge-Menü einverleibt, kann sie sich darauf verlassen, dass die Hormone ihre Eierstöcke erreichen und dort die Ovulation und damit eine ungewollte Schwangerschaft verhindern.
Möglich macht das der ungemein komplizierte Aufbau der Dünndarmschleimhaut. Sie ist mit rund vier Millionen jeweils ein Millimeter langen Fortsätzen, sogenannten Zotten, besetzt. Pro Quadratzentimeter sind das rund 3000 Stück. Die Oberfläche der Zotten weist ihrerseits Unmengen – pro Quadratmillimeter etwa 200 Millionen! – weiterer Ausstülpungen auf, Mikrozotten genannt. Auf diese Weise wird die Schleimhaut in gigantischem Ausmaß vergrößert. Könnte man sämtliche Zotten und Mikrozotten eines menschlichen Darmes flach streichen, ergäbe das eine Fläche von rund 300 Quadratmetern, also etwa die Größe eines Tennisplatzes.
Bei der Passage durch den Dünndarm, der bei einem gesunden Menschen rund vier Meter lang und drei bis vier Zentimeter dick ist, wird der Nahrungsbrei kräftig durchmischt, sodass jeder Bestandteil wieder und wieder mit der Wand in Berührung kommt. Dafür sorgt der stetige Wechsel von Zusammenziehen und Erschlaffung, den man Peristaltik nennt. Zudem führen die Zotten selbst eine permanente stempelartige Bewegung aus, durch die diejenigen Teile des Darminhalts, die der Schleimhaut unmittelbar aufliegen, aufgewirbelt und durchmischt werden – das stellt die Aufnahme wirklich aller Inhaltsstoffe sicher.





