Das Gespräch führte RALF BUTSCHER
Herr Professor Fasoulas, die Raumfahrt boomt wie lange nicht mehr. Was steckt dahinter?
Im Prinzip wurde diese Entwicklung um die Jahrtausendwende initiiert und ist nun auch als „New Space“ bekannt. Sie begann mit der Gründung einiger privatwirtschaftlicher Unternehmen, deren bekanntestes wohl die Firma SpaceX von Elon Musk ist. Vor allem in den USA und etwas später auch in China hatte man die Bedeutung der Raumfahrt für die Übertragung digitaler Daten und Dienstleistungen erkannt. In den USA wurde es dann als ökonomisch vorteilhaft angesehen, die Verantwortung für den Aufbau der dafür notwendigen Infrastruktur in die Hände von Unternehmen zu legen. Daher wurden vor rund 20 Jahren zunächst in den USA die Weichen in diese Richtung gestellt. In China gilt die Raumfahrt als Bestandteil der Strategie einer „Neuen Seidenstraße“ für den Handel. Hier wird über Satelliten eben mit Daten gehandelt.
Und wie sieht es in Europa aus?
Hier geht es aktuell vor allem darum, die eigene Unabhängigkeit sicherzustellen. Auch dafür setzen die Länder mittlerweile verstärkt auf das Engagement und die Innovationskraft von kommerziellen Unternehmen.
Welchen Vorteil bietet das?
Bei der Privatisierung in der Raumfahrt geht es vor allem darum, die Kosten zu reduzieren. Das ist auch bereits gut gelungen. So ist der Preis für den Transport von Nutzlasten ins All in den letzten 20 Jahren massiv gesunken – und ich rechne damit, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. So wird letztlich für jeden, der das wünscht, ein Zugang zur Raumfahrt geschaffen. Davon profitiert unter anderem die Forschung an Instituten wie unserem hier an der Universität Stuttgart.
Inwiefern?
Der Trend hin zu einer privatwirtschaftlich angetriebenen Raumfahrt hat es uns ermöglicht, schneller und relativ kostengünstig Experimente unter Weltraumbedingungen etwa auf der Internationalen Raumstation durchzuführen oder gar ganze Satelliten zu starten und zu betreiben. Das ebnet nicht nur den Weg für neue Erkenntnisse. Für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist es zudem eine einzigartige Chance, eigene Forschungsideen einzubringen und neue Technologien umzusetzen – nicht nur am Rechner oder im irdischen Labor, sondern auch in der Praxis im Weltraum. Und wir sind natürlich nicht die Einzigen. Extrapoliert man das auf alle Universitäten, Forschungseinrichtungen, Start-ups, Unternehmen und Agenturen weltweit, lässt sich erahnen, welche Dynamik an technologischer Entwicklung sich derzeit in der Raumfahrt entfaltet.





