Der im Juli 2025 entdeckte interstellare Komet 3I/ATLAS raste auf einer Hyperbelbahn durch unser Planetensystem und passierte am 29. Oktober 2025 den sonnennächsten Punkt dieses Fluges. Inzwischen ist der eisige, möglicherweise gut fünf Kilometer große Brocken wieder auf dem Weg aus dem Sonnensystem hinaus. Doch seine Passage lieferte Astronomen weltweit eine einzigartige Gelegenheit, ein interstellares Objekt zu erforschen. So legten erste Beobachtungen bereits nahe, dass 3I/ATLAS wahrscheinlich älter ist als unser Sonnensystem. Seine eisreiche Oberfläche und Ausgasungen enthalten zudem mehr Kohlendioxid als bei den Kometen unseres Sonnensystems. Im Frühjahr 2026 zeigten Daten des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in Chile, dass der interstellare Komet auch ungewöhnlich viel Methanol ausgast.

40-mal mehr Deuterium als in unseren Ozeanen
Jetzt haben Astronomen eine weitere Besonderheit des interstellaren Besuchers entdeckt. Für ihre Studie hatten Luis Salazar Manzano von der University of Michigan und seine Kollegen Beobachtungen des ALMA-Arrays vom 4. November 2025 ausgewertet – rund sechs Tage nach der Perihel-Passage von 3I/ATLAS. Im Fokus standen dabei Spektrallinien im Radiobereich, die von Wassermolekülen in der Koma des Kometen erzeugt wurden. Die Auflösung der gekoppelten ALMA-Teleskope ist hoch genug, um anhand dieser Linien die Anteile von normalem Wasserstoff (H) und dem schweren Wasserstoff-Isotop Deuterium (D) in diesen Spektren zu zeigen. „Das Verhältnis von Deuterium zu Wasserstoff liefert uns einen starken chemischen Anzeiger dafür, wo und unter welchen physikalischen Bedingungen dieses Wasser einst gebildet wurde und welchen Prozessen es anschließend ausgesetzt war“, erklären Salazar Manzano und seine Kollegen. „Denn der Prozess, der Deuterium in Wassermolekülen anreichert, reagiert sensibel auf lokale Bedingungen wie Temperaturen, Dichte und Ionisierungsrate.“
Die Analysen ergaben Werte, die weit jenseits des im Sonnensystem üblichen liegen. „Die Menge an Deuterium im Verhältnis zu normalem Wasserstoff ist bei 3I/ATLAS höher als alles, was wir zuvor in Planetensystemen gesehen haben“, berichtet Salazar Manzano. Mit einem D/H-Verhältnis von 6,6 Tausendsteln übertreffe der Deuteriumanteil des interstellaren Kometen den in den irdischen Ozeanen um rund das 40-Fache. Im Vergleich zu Kometen des Sonnensystems liegt 3I/ATLAS rund 30-mal höher und auch das interstellare Medium hat keine so starke Deuterium-Anreichung, wie die Astronomen erklären. Damit ist der interstellare Komet ein echter Exot in unserer kosmischen Nachbarschaft.





