Je eher Schwachstellen im Zahnschmelz entdeckt werden, desto besser können Löcher vermieden werden. Infrarotstrahlen könnten einfach und günstig einen Zahnverfall schon im frühen Stadium offenbaren. Zu diesem Ergebnis kommen amerikanische Wissenschaftler, die an Zahnproben Unterschiede zwischen gesundem Schmelz und bereits geschädigten Stellen überraschend kontrastreich sichtbar machen konnten. Infrarotstrahlen haben damit das Potenzial, bisher für eine Zahnschmelzuntersuchung verwendete Röntgenstrahlen zu übertreffen, berichten die Forscher im Fachblatt Optics Express (Bd. 11, S. 2259).
“Die prinzipiellen Vorteile sind eine größere Sensitivität und ein besserer Kontrast bei der frühen Diagnose von Zahnzerfall”, sagt Daniel Fried von der
University of California in San Francisco. Mit bloßem Auge kann der Zahnarzt solche ersten Schwachstellen in der äußeren Zahnschicht überhaupt nicht erkennen. Erst durch die Wärmestrahlung bei einer Wellenlänge von 1310 Nanometern offenbarten sich die frühen Anzeichen von Karies. Die Diagnoselampe besteht dabei aus einer Halogenlichtquelle, dünnen, flexiblen Lichtleitern und einem Paar Polarisationsfiltern, die beim Beleuchten des Zahns den Kontrast zwischen Schwachstellen und gesundem Schmelz verbessern.
An Patienten haben Fried und seine Kollegen diese Methode allerdings noch nicht angewendet. Für ihre ersten Versuche zersägten sie gesunde Zähne in Millimeter dünne Scheiben und “infizierten” diese mit einem speziellen Gesteinspulver, Hydroxyapatit. Dieses Pulver ahmt das optische Verhalten geschädigter Zahnstellen nach und reagiert sehr ähnlich auf das einfallende Infrarotlicht.
Ermutigt durch die ersten Erfolge wollen die Zahnforscher nun ihre Methode an Zähnen in unterschiedlichen Schädigungsstadien untersuchen. Bewährt sich das Infrarotlicht auch hier, kann an eine Testreihe mit lebenden Zahnprobanden gedacht werden.
Jan Oliver Löfken