Einen Hubschrauber zu beherrschen, gilt als schwierigste Übung für einen Modellflieger. Wie bei einem Flugzeug sorgen auch bei einem Hubschrauber aerodynamische Kräfte für den Auftrieb. Erzeugt werden sie durch die sich drehenden Rotorblätter. Sie drücken die Luft nach unten – wie bei einem Ventilator. Zum Steigen oder Sinken wird bei allen Rotorblättern der Anstellwinkel – die Neigung gegen die Horizontale – erhöht oder verringert. Damit sich der Helikopter nach vorne bewegt, muss außerdem die Rotorebene insgesamt etwas geneigt werden, wodurch der Luftstrom durch den Rotor leicht nach hinten „geblasen” wird. Gelenkt wird der Hubschrauber durch Neigen der Rotorebene nach links oder rechts.
Ein Problem sind die physikalischen Gesetze der Mechanik: Nach Newton ruft eine Kraft stets eine Gegenkraft in entgegengesetzter Richtung hervor. Das bewirkt, dass sich der Rumpf des Hubschraubers entgegen der Drehrichtung des Rotors zu drehen versucht. Um das zu verhindern, besitzen die meisten Hubschrauber einen sich in einer vertikalen Ebene drehenden Heckrotor, der dieses Drehmoment ausgleicht. Alternativ kann auch ein zweiter Rotor angebracht sein, der sich entgegengesetzt zum Hauptrotor dreht. Da sich die Anströmgeschwindigkeit der Luft auf die Rotorblätter während eines Umlaufs beim Vorwärtsflug ändert – je nachdem, ob das Blatt in oder gegen die Flugrichtung läuft –, wird der Anstellwinkel über eine Taumelscheibe konstant verändert.
Um alle möglichen Flugmanöver steuern zu können, ist ein Hubschrauber – im Original wie im Modell – mit drei unterschiedlichen Steuern ausgestattet. Der Steuerknüppel dient im Schwebeflug dazu, den Helikopter zur Seite, nach vorne oder hinten zu bewegen. Im Vorwärtsflug wird er benutzt, um in Kurven zu fliegen, oder um das Steigen und Sinken einzuleiten. Mit dem so genannten Collective wird das Steigen und Sinken im Schwebeflug gesteuert. Im Vorwärtsflug wird damit, zusammen mit dem Steuerknüppel, beschleunigt und gebremst. Mithilfe eines dritten Steuers kann man den Hubschrauber um die Hochachse drehen.
Wegen der großen Instabilität eines Hubschraubers muss der Pilot ständig an allen drei Steuern arbeiten. Ändert er an einem Steuer etwas, muss er gleichzeitig auch an den beiden anderen Steuern korrigieren. Die Schwierigkeit besteht darin, die einzelnen Korrekturen richtig zu koordinieren. Wie für Piloten großer Helikopter gibt es auch für Modellhubschrauber-Piloten Flugschulen und Flugsimulatoren. Mit ihrer Hilfe können sie das Steuern eines Helikopters zunächst zu Hause am PC trainieren, bevor sie das teure Flugmodell starten lassen.
Ralf Butscher





