Bienen sind als Bestäuber unverzichtbar, doch sie kämpfen zunehmend um ihr Überleben. Von Nahrungsmangel, Pestiziden und Hitze geschwächt, sind Honigbienen immer häufiger von der parasitischen Varroamilbe befallen. Diese vor Jahrzehnten eingeschleppte Milbenart saugt das Blut der Bienen und kann das tödliche Flügeldeformationsvirus (DWV) und andere Krankheitserreger übertragen. Als Folge sterben die Larven ab oder entwickeln verkrüppelte Flügel. Ganze Bienenvölker können dadurch dezimiert oder sogar ausgelöscht werden.
Warum die Tropilaelaps-Milbe gefährlicher ist als Varroa
Doch es könnte noch schlimmer kommen: Eine weitere, für Bienen noch gefährlichere blutsaugende Milbe ist auf dem Weg hierher. Die parasitische Tropilaelaps-Milbe nistet sich vor allem in den Brutwaben von Bienenvölkern ein und saugt dort das Blut der Bienenlarven und -puppen. Oft sterben die Jungtiere dadurch schon vor dem Schlüpfen in der Brutzelle ab. Im Unterschied zur Varroamilbe ist dieser neue Parasit jedoch kleiner, beweglicher und deutlich schädlicher.
„Die Tropilaelaps-Milbe vermehrt sich rasanter als der bisherige Hauptparasit Varroa. Dies führt zu einem beschleunigten Kollaps der Bienenvölker“, erklärt Bienenexpertin Ricarda Scheiner von der Universität Würzburg. Ohne Behandlung gehen befallene Völker meist rasch zugrunde. Ein Befall mit dieser Milbe kann daher verheerende Auswirkungen haben.

Tropilaelaps-Milben saugen den Körpersaft Bienenlarven und Puppen. Betroffenen Bienen sterben dadurch meist. — © Ingolf Steffan-Dewenter/ Universität Würzburg
Aus Südasien bis an die Grenze Europas
Diese drohen jetzt auch den Honigbienen in Europa. Ende August 2026 hat die Weltorganisation für Tiergesundheit gemeldet, dass erstmals Exemplare der Tropilaelaps-Milbe in der Türkei entdeckt wurden. Ursprünglich ist diese Milbenart in Südasien und Zentralasien heimisch und befällt dort asiatische Honigbienenarten. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich der Parasit immer weiter nach Westen ausgebreitet und sein Wirtsspektrum auf die Westliche Honigbiene (Apis Mellifera) ausgeweitet – unseren wichtigsten Honigproduzenten.
Jetzt hat die Tropilaelaps-Milbe die Grenze zu Europa erreicht. Sollte sich dieser Bienenparasit in Europa etablieren, wäre dies eine existenzielle Bedrohung für unsere Honigbienen – und weit schlimmer als die Auswirkungen der Varroamilbe, wie Scheiner und ihre Kollegen erklären. Es drohen verheerende Ausfälle in der Honigproduktion und der Bestäubungsleistung. In einem Workshop in Nordmazedonien haben Forschende nun darüber beraten, wie sich die gefährliche Bienenmilbe eindämmen lässt.
Vorbeugen ist besser als spätes Bekämpfen
„Im Kampf gegen die Tropilaelaps-Milbe ist ein koordiniertes europäisches Vorgehen zwingend erforderlich“, sagt Scheiner. So müssten Behörden und andere zuständige Einrichtungen ihre Möglichkeiten zur Überwachung, Diagnose und schnellen Meldung von Verdachtsfällen möglichst schnell verbessern. Weil der Parasit vor allem durch Bienenimporte nach Westen gelangt, sollten vor allem Flughäfen, Häfen, Verkehrswege und Grenzregionen intensiver überwacht werden.
Eine weitere Empfehlung sind sogenannte Sentinel-Völker. Dabei handelt es sich um Bienenvölker, die in gefährdeten Gebieten platziert werden und die man besonders engmaschig überwacht. Das kann helfen, früh zu erkennen, ob und wann die Tropilaelaps-Milbe eine Region erreicht hat.
Wird die Milbe in einem Gebiet nachgewiesen, müssen Notfallpläne greifen, die diese invasiven Parasiten bekämpfen, bevor sie sich weiter ausbreiten können. Denn solange sich die Milbe noch nicht etabliert hat, bestehen noch Chancen für eine schnelle und wirksame Bekämpfung. Dafür sei jedoch eine gemeinsame Anstrengung von Behörden, Wissenschaft, Imkern und weiteren beteiligten Einrichtungen in Europa notwendig.
Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg





