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Honigbienen: Achtbeinige Bedrohung rückt näher
Erde & Umwelt

Honigbienen: Achtbeinige Bedrohung rückt näher

Den europäischen Honigbienen droht neue Gefahr. · Foto: © Valengilda/ iStock

Europas Bienen droht neue Gefahr: Eine besonders gefährliche blutsaugende Milbe hat die Grenze Europas erreicht – in der Türkei wurde sie schon nachgewiesen. Die ursprünglich in Asien beheimatete Tropilaelaps-Milbe saugt Blut von Bienenlarven und vermehrt sich rapide. Dadurch kann sie ein Bienenvolk in kurzer Zeit vernichten. Für Europas Bienen sei dieser Parasit dadurch eine existenzielle Bedrohung – und weit gefährlicher als die schon etablierte Varroamilbe, warnen Forschende.
Autor
Nadja Podbregar
12. Oktober 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Bienen sind als Bestäuber unverzichtbar, doch sie kämpfen zunehmend um ihr Überleben. Von Nahrungsmangel, Pestiziden und Hitze geschwächt, sind Honigbienen immer häufiger von der parasitischen Varroamilbe befallen. Diese vor Jahrzehnten eingeschleppte Milbenart saugt das Blut der Bienen und kann das tödliche Flügeldeformationsvirus (DWV) und andere Krankheitserreger übertragen. Als Folge sterben die Larven ab oder entwickeln verkrüppelte Flügel. Ganze Bienenvölker können dadurch dezimiert oder sogar ausgelöscht werden.

Warum die Tropilaelaps-Milbe gefährlicher ist als Varroa

Doch es könnte noch schlimmer kommen: Eine weitere, für Bienen noch gefährlichere blutsaugende Milbe ist auf dem Weg hierher. Die parasitische Tropilaelaps-Milbe nistet sich vor allem in den Brutwaben von Bienenvölkern ein und saugt dort das Blut der Bienenlarven und -puppen. Oft sterben die Jungtiere dadurch schon vor dem Schlüpfen in der Brutzelle ab. Im Unterschied zur Varroamilbe ist dieser neue Parasit jedoch kleiner, beweglicher und deutlich schädlicher.

„Die Tropilaelaps-Milbe vermehrt sich rasanter als der bisherige Hauptparasit Varroa. Dies führt zu einem beschleunigten Kollaps der Bienenvölker“, erklärt Bienenexpertin Ricarda Scheiner von der Universität Würzburg. Ohne Behandlung gehen befallene Völker meist rasch zugrunde. Ein Befall mit dieser Milbe kann daher verheerende Auswirkungen haben.

Tropilaelaps-Milben

Tropilaelaps-Milben saugen den Körpersaft Bienenlarven und Puppen. Betroffenen Bienen sterben dadurch meist. — © Ingolf Steffan-Dewenter/ Universität Würzburg

Aus Südasien bis an die Grenze Europas

Diese drohen jetzt auch den Honigbienen in Europa. Ende August 2026 hat die Weltorganisation für Tiergesundheit gemeldet, dass erstmals Exemplare der Tropilaelaps-Milbe in der Türkei entdeckt wurden. Ursprünglich ist diese Milbenart in Südasien und Zentralasien heimisch und befällt dort asiatische Honigbienenarten. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich der Parasit immer weiter nach Westen ausgebreitet und sein Wirtsspektrum auf die Westliche Honigbiene (Apis Mellifera) ausgeweitet – unseren wichtigsten Honigproduzenten.

Jetzt hat die Tropilaelaps-Milbe die Grenze zu Europa erreicht. Sollte sich dieser Bienenparasit in Europa etablieren, wäre dies eine existenzielle Bedrohung für unsere Honigbienen – und weit schlimmer als die Auswirkungen der Varroamilbe, wie Scheiner und ihre Kollegen erklären. Es drohen verheerende Ausfälle in der Honigproduktion und der Bestäubungsleistung. In einem Workshop in Nordmazedonien haben Forschende nun darüber beraten, wie sich die gefährliche Bienenmilbe eindämmen lässt.

Vorbeugen ist besser als spätes Bekämpfen

„Im Kampf gegen die Tropilaelaps-Milbe ist ein koordiniertes europäisches Vorgehen zwingend erforderlich“, sagt Scheiner. So müssten Behörden und andere zuständige Einrichtungen ihre Möglichkeiten zur Überwachung, Diagnose und schnellen Meldung von Verdachtsfällen möglichst schnell verbessern. Weil der Parasit vor allem durch Bienenimporte nach Westen gelangt, sollten vor allem Flughäfen, Häfen, Verkehrswege und Grenzregionen intensiver überwacht werden.
Eine weitere Empfehlung sind sogenannte Sentinel-Völker. Dabei handelt es sich um Bienenvölker, die in gefährdeten Gebieten platziert werden und die man besonders engmaschig überwacht. Das kann helfen, früh zu erkennen, ob und wann die Tropilaelaps-Milbe eine Region erreicht hat.

Wird die Milbe in einem Gebiet nachgewiesen, müssen Notfallpläne greifen, die diese invasiven Parasiten bekämpfen, bevor sie sich weiter ausbreiten können. Denn solange sich die Milbe noch nicht etabliert hat, bestehen noch Chancen für eine schnelle und wirksame Bekämpfung. Dafür sei jedoch eine gemeinsame Anstrengung von Behörden, Wissenschaft, Imkern und weiteren beteiligten Einrichtungen in Europa notwendig.

Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg

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