30 Grad aktiviert, Vorwäsche deaktiviert, Programm läuft …”, tönte es aus der Waschmaschine. Sie ist die modernste Version dieses Haushaltsgerätes, das beim letzten „wissenschaft live” im Deutschen Museum Bonn im Mittelpunkt des Interesses und des Saales stand, in dem sich viele Besucher drängten. Moderator Ranga Yogeshwar stellte zunächst bei einer Schnellumfrage fest, daß nur wenige der Besucher wußten, wie man weiße Wäsche wäscht. „ Man steckt sie in die Waschmaschine”, war die typische Antwort. Um dieses Wunderwerk der Technik zu perfektionieren, haben Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg mit der Firma Miele zusammengearbeitet – ihr High-Tech-Produkt präsentierten sie jetzt in Bonn. Yogeshwar beschrieb den langen Weg vom altehrwürdigen Holzzuber bis zum heutigen „intelligenten” Gerät. Ein Exemplar dieser Veteranen – aus guter deutscher Eiche gefertigt und mit Quetschrollen zum Auswringen – stand bei „ wissenschaft live” direkt neben seinem modernen Enkel. A propos Enkel: Vor über 100 Jahren gründeten die beiden Ingenieure Miele und Zinkann die heute renommierte Firma Miele. Und bei „ wissenschaft live” plauderten die beiden Enkel der Gründer, die heutigen Geschäftsführenden Gesellschafter der Firma Rudolf Miele und Dr. Peter Zinkann, aus der langen Entwicklungsgeschichte und erklärten ihre neueste Kreation. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Sankt Wolfhelm in Schwalmtal hatten sich mit Experimenten und Darstellungen auf das Thema vorbereitet. Einige hatten sich auf Waschmittel spezialisiert und demonstrierten in Wasserbehältern mit und ohne Waschmittel dessen Wirkung: Es reduziert die Oberflächenspannung des Wassers, das nun leichter in die Poren der Wäsche eindringen kann. „Diese Kenntnisse und noch viel mehr haben wir einfließen lassen, um solch ein modernes Gerät zu bauen”, meinte Josef Avenwedde, Leiter der Komponenten- und Technologieentwicklung bei Miele. Der Fortschritt im Waschmaschinenbau wird auch im reduzierten Verbrauch der neuen Geräte deutlich, wie die Schüler anhand von Grafiken zeigten. So hat sich der Wasserverbrauch pro Waschgang (5 Kilogramm Wäsche) von 81 Litern im Jahr 1960 auf 55 Liter heute gesenkt, der Stromverbrauch ging von 4,5 Kilowattstunden auf eine zurück. Wurden 1988 noch 10,6 Kilogramm Waschmittel pro Kopf verbraucht, sind es heute nur noch 6,5 Kilogramm. Am Bildschirm erklärten Dr. Viktor Grinewitschus und Thomas van den Boom im Duisburger Fraunhofer-Institut ihre Forschungen: Die gesamte Elektronik ist in einem einzigen Chip untergebracht, der viel kleiner ist als ein Pfennigstück. „Eine der wichtigsten Aufgaben unserer Forschung ist”, betonte Firmenchef Rudolf Miele, „alles so bedienerfreundlich zu machen, daß Nichttechniker damit spielend umgehen können. Ein Beispiel dafür ist unsere sprechende Waschmaschine.” „Auch früher schon”, ergänzte Dr. Peter Zinkann, „ war die Technik schön. Aber was heute auf uns zukommt, ist faszinierend.”
Wolfram Knapp





