Ein selbststimmendes Klavier soll in einem Jahr in den USA auf den Markt kommen. Der Pianist hat nur einen Schalter zu betätigen und vierzig Sekunden zu warten – schon hat sich das Instrument auf die richtige Stimmung eingestellt. Das meldet das britische Wissenschaftsmagazin “New Scientist” (Ausgabe vom 7. Dezember).
Der amerikanische Ingenieur und Hobbypianist Don Gilmore will mit seiner Entwicklung das Stimmproblem vieler Klavierbesitzer lösen: Schwankende Temperaturen, Materialdehnung und nicht zuletzt allzu herzhaftes Spiel lassen die Instrumente schnell ihre sorgfältig ausbalancierte Stimmung verlieren.
In seinem Klavier hat Gilmore unter jeder Saite zwei Magneten angebracht: Der eine versetzt die Saite in Schwingung, der andere funktioniert wie der Tonabnehmer einer Elektrogitarre und nimmt die exakte Schwingungsfrequenz auf. Erkennt die Elektronik nun eine falsche Stimmung, so schickt sie einen elektrischen Strom durch die Saite. Das Material erwärmt sich dadurch und dehnt sich aus, die Saite verliert an Spannung und schwingt in einem tieferen Ton.
Auf diese Weise kann Gilmore jede einzelne Saite genau auf eine gewünschte Stimmung einstellen. Da die Regelung die Töne nur tiefer machen kann, muss zuvor jeder Ton von Hand etwas nach oben verstimmt werden. Bei Saitentemperaturen von rund 35 Grad Celsius soll das selbststimmende Klavier maximal 600 Watt Strom verbrauchen – etwa soviel wie sechs starke Glühlampen.
ddp/bdw – Ulrich Dewald





