Dieses Tier hat den Meeressäuger offenbar gebissen, und das ziemlich kräftig. Als gelungen kann man den Angriff trotzdem nicht werten, denn der Wal hat den Biss ? zumindest zuerst einmal ? überlebt: Fast überall auf dem Rippenfragment ist eine dünne Schicht aus sogenanntem Geflechtknochen zu erkennen. Das ist eine ziemlich weiche, unreife Form von Knochengewebe, die sich typischerweise bildet, wenn es irgendwo in unmittelbarer Nähe des Knochens eine Infektion gibt. Die Bisswunde hat demnach zwar offenbar angefangen zu heilen, scheint sich dann aber entzündet zu haben, interpretieren die Forscher diesen Befund. Diese Annahme wird auch durch typische Entzündungsmerkmale im Knochenmark gestützt.
Lange hat der Wal die Verletzung nicht überlebt ? maximal zwei bis sechs Wochen, schätzen die Wissenschaftler. Hätte er länger gelebt, hätte ein Umbau des Geflechtknochens zu hartem Knochengewebe einsetzen müssen. Ob die Wunde und die Infektion allerdings tatsächlich die Todesursache waren, lässt sich heute nicht mehr sagen. Es sei durchaus möglich, dass der Wal aus einem ganz anderen Grund verendet ist, so die Forscher. Dennoch sei es bemerkenswert, wie viel der Knochen über das Verhalten der prähistorischen Tiere verrate. “Nur eine Handvoll Fossilien zeigen diese Art von Interaktion”, sagt Stephen Godfrey vom Calvert Marine Museum in Solomons, der das Rippenfragment entdeckt hat. Es gebe zwar viele Bissspuren auf Fossilien, die meisten stammten jedoch von Aasfressern, die nach dem Tod des Tieres an den Knochen genagt hätten. “Dieses Fossil ist eines von sehr wenigen Beispielen mit einer Verletzung, die ganz eindeutig einem anderen Tier zugeschrieben werden kann, das aber auch klar zeigt, dass das Opfer das Ereignis überlebt hat.”





