DIE PHOTOVOLTAIK BRUMMT. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Bundesnetzagentur allein in Deutschland Anlagen mit einer Leistung von 3800 Megawatt (MW) installiert, was etwa der Leistung von drei Kernkraftwerken entspricht. Bereits bis Juli 2010 sollen es weitere 3000 MW sein. Ein einzigartiger Boom, an dem auch Photovoltaik-Hersteller in China und Südkorea verdienen. Die Produktion des deutschen Herstellers Würth Solar nimmt sich dagegen mit einer Jahreskapazität von 30 MW bescheiden aus: nicht einmal ein Prozent Marktanteil im Binnenmarkt. Im August 2008 meldete das Unternehmen zwar, dass es die Produktionskapazität nur knapp zwei Jahre nach dem Ramp-up – der Anlaufphase zur Massenfertigung – bereits auf 30 MW verdoppelt habe. Doch dabei blieb es.
Ende Juli 2010 kam der Paukenschlag. Auf einer Pressekonferenz bei Würth Solar in Schwäbisch Hall wurde verkündet: Die Reutlinger Firma Manz Automation erwirbt exklusiv die Nutzungsrechte an der CIGS-Produktionstechnologie von Würth Solar. Sie sei somit die einzige Firma, die aktuell eine vollproduktive Fertigungslinie für CIGS-Dünnschichtmodule anbietet. CIGS ist ein Insiderkürzel und steht für die stromerzeugende Schicht aus einer Verbindung namens Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid. Der maximale Wirkungsgrad serienproduzierter CIGS-Zellen liegt bei knapp 13 Prozent Stromausbeute. bild der wissenschaft hat mehrfach über die innovative Technologie berichtet (Heft 7/2000, „Stromwechsel”, Heft 2/2007, „Gute Qualität heißt viel Aufwand”).
Offensichtlich hat sich die mit Bundes- und Landesmitteln geförderte Technologie nicht in dem Maß in eine Großfertigung umsetzen lassen, wie das einige Experten hofften. Ursache für das bislang enttäuschende Produktionsvolumen ist der Herstellungsprozess der CIGS-Module. Deren grundsätzlicher Vorteil ist zwar, dass die nur vier Mikrometer dünne stromerzeugende Schicht ressourcensparender hergestellt werden kann als etwa Schichten aus kristallinem Silizium. Doch das erfordert teure, individuell angefertigte Beschichtungsmaschinen. Und das schlägt sich im Modulpreis nieder. Lag der durchschnittliche Endkundenpreis für fertige Photovoltaik-Anlagen im zweiten Quartal 2009 bei 3600 Euro je installiertem Kilowatt, musste der Kunde bei Würth Solar 4500 Euro bezahlen – bei vergleichbarer Stromausbeute.
Das Unternehmen Manz Automation, das schon bisher Würth Solar mit Beschichtungsmaschinen beliefert hat, will die Produktionsanlagen nun weltweit vermarkten. Dadurch soll eine größere Stückzahl möglich werden und als Folge davon der Modulpreis sinken. „Durch das gebündelte Know-how liefern wir Produktionslinien, welche zukünftig die niedrigsten Herstellungskosten aller schlüsselfertigen Dünnschichtlinien ausweisen”, behauptet Dieter Manz, der Vorstandsvorsitzende von Manz Automation. Nach Aussage des Würth-Solar-Geschäftsführers Karl-Heinz Groß soll die 30-MW-Produktionsanlage in Schwäbisch Hall weiter betrieben werden. Im Fokus von Würth Solar steht künftig allerdings der Handel mit Solarprodukten oder Solardienstleistungen. Darüber hinaus – so Groß – „bündeln wir unser Know-how in einem eigenen Geschäftsbereich und bieten schlüsselfertige Solarkraftwerke aus einer Hand an.”
Die kommenden Jahre werden zeigen müssen, ob es Manz Automation zusammen mit neuen Partnern gelingt, die Herstellungskosten für CIGS-Solarmodule durch die neue Strategie zu drücken – so lange, bis sie am Ende wettbewerbsfähig geworden sind. Anderenfalls wäre aus einer aussichtsreichen, in Deutschland maßgeblich vorangetriebenen Technologie einmal mehr nichts geworden. Wolfgang Hess ■





