Golden schimmern die neuen Bürotürme des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg. Nicht nur für die repräsentative Fassade zeichnet die GKD – Gebr. Kufferath AG aus Düren verantwortlich.
Das architektonische Herz des neu gestalteten Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg ist der zentrale Gerichtssaal mit 40 Richtersitzen und 280 Zuschauerplätzen. Die zeltartige Decke aus goldglänzendem Metallgewebe schwebt förmlich über dem Raum. Das Gewebe für diese spektakuläre Deckenkonstruktion hat die renommierte Metallweberei GKD – Gebr. Kufferath AG aus dem nordrhein-westfälischen Düren nach den Plänen des französischen Stararchitekten Dominique Perrault gefertigt.
Vor sechs Jahren beschloss das luxembur-gische Parlament die vierte bauliche Erweiterung des 1972 auf dem Kirchberg errichteten Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften. Dabei entstanden zwei je 100 Meter hohe Bürotürme mit insgesamt 24 000 Quadratmeter Nutzfläche. Auch hier sorgt Metallgewebe – typisch für Perraults Architektur – für brillante Optik: Die beiden 24 Stockwerke hohen Türme ergänzen den schnörkellosen Flachbau des Palais de Justice als scharfkantige, rundum golden schimmernde Skulpturen zu einem repräsentativen Ensemble. 7724 Paneele aus einem speziell für diese Anwendung entwickelten Aluminiumgewebe bilden die glänzenden Turmhüllen. Das Dürener Familienunternehmen GKD hat dazu innovative Ideen entwickelt. „Clou der Konstruktion ist eine spezifische Zick-Zack-Kantung des Gewebes, das der optisch rundum nahtlosen Fassade Tiefe verleiht und zugleich raffinierte Lichtakzente setzt”, erklärt GKD-Geschäftsführer Stephan Kufferath. Erforderlich dafür war die Entwicklung eines besonders leichten Gewebes. GKD löste diese Aufgabe mit einem speziellen Material, das einem Aluthermgewebe ähnelt, allerdings mit anderen Drahtdurchmessern und einem Gewicht von 2,6 Kilogramm pro Quadratmeter. Für dieses Material sprachen neben der visuellen Ausdrucksstärke auch seine Lebensdauer und Recyclingfähigkeit. Insgesamt lieferte GKD 20 190 Quadratmeter des mit einer goldfarbenen Schutzschicht überzogenen Gewebes in Form von Paneelen, von denen die meisten 3,72 mal 0,73 Meter groß sind.
Die Montage auf dem Kirchberg ist inzwischen abgeschlossen. Selbstbewusst spiegeln die goldenen Monolithe die Identität des Europäischen Gerichtshofs als Hüter des Gemeinschaftsrechts von derzeit 27 Mitgliedsstaaten: transparent und dennoch geschlossen.
von Jens-Peter Knauer
Ohne Titel
Ästhetisch und funktional
Technisch gesehen sind Metallgewebe, wie sie die GKD – Gebr. Kufferath AG verwendet, äußerst leistungsfähig. Ihren Erfolg in Architektur und Design verdanken sie den optischen und funktionalen Eigenschaften: Reflexionskraft, Transparenz und Opazität, Flexibilität und Robustheit, Licht- und Luftdurchlässigkeit. Darüber hinaus sind sie pflegeleicht und recycelbar. Außerdem bieten sie einen funktionalen Schutz vor Sonnenlicht, Zugluft, Stößen und Erschütterungen. Konstruktiv betrachtet liegt der Vorteil von Metallgewebe in der hohen Belastbarkeit durch Windkräfte. Um die Gewebematerialien an den Fassaden zu befestigen, wurden je nach Einsatzbereich und Geometrie von Fläche und Gewebeart spezielle Techniken entwickelt. Im Wesentlichen haben sich inzwischen sechs Standardtechniken etabliert: Zuschnitte mit Rundstange, Klemmprofil, Schlaufen, im Rahmen, mit Unterkonstruktion und punktueller Abhängung. Metallgewebe gibt es bis zu einer maximalen Breite von acht Metern, ohne jegliche Beschränkung in der Länge. Je nach Ausführung wird das Gewebe auf Papphülsen, Rundhölzer oder Stahlrohre aufgerollt und danach montagefertig an den Kunden auf die Baustelle geliefert.
Das Unternehmen …
Profitables Wachstum, globale Kundennähe, Innovationsführerschaft: Mit dieser Strategie schreibt die in Düren beheimatete GKD – Gebr. Kufferath AG seit Jahren Erfolgsgeschichte. 1925 von Josef Kufferath gegründet, spezialisierte sich das Unternehmen zunächst auf die Herstellung von Drahtgewebe. 1944 wurde das Werk im Krieg zerstört und zwei Jahre später wieder aufgebaut. Nach dem Tod des Firmengründers 1967 wurde Karl Kufferath-Kassner Geschäftsführer. Ein Jahr später nahm die Produktionssparte Prozessbänder den Betrieb auf. 1983 traten die Brüder Ingo und Stephan Kufferath-Kassner in das Unternehmen ein, 2001 erfolgte die Umwandlung in eine AG. Mit einem Umsatzwachstum von 13,5 Prozent auf 83,2 Millionen Euro setzte der Hersteller anspruchsvoller technischer Gewebe auch 2007 die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Tragende Säulen des Wachstums waren der Ausbau der erst 2006 gegründeten Unternehmenssparte für Filter und Anlagenbau (Capital Equipment) sowie die beginnende Marktdurchdringung mit den innovativen Gewebesystemen Mediamesh und Illumesh. Die GKD – Gebr. Kufferath AG beschäftigt heute 663 Mitarbeiter und unterhält insgesamt sieben Werke in Deutschland, Großbritannien, Irland, Spanien, Südafrika und den USA, außerdem Niederlassungen in Frankreich, China und Dubai sowie Vertretungen in über 30 Ländern.





