von MICHAEL VOGEL
Gut 3,5 Millionen Apps stehen in Googles Play Store bereit. Der Großteil davon kostet – nichts. Genauer: Ihr Download kostet kein Geld. Vielmehr bezahlt der Nutzer mit seinen Daten, weil er einer App Zugriffsrechte erteilt: auf Adressbuch, Kamera und Bildergalerie, Mikrofon, Standortinfos und so weiter. Viele Apps fordern mehr Zugriffsrechte, als sie für ihre Funktion benötigen, denn mit den Daten lässt sich Geld verdienen, teils mehr als mit Hard- und Software. Siehe Google, siehe Facebook, siehe Amazon. Deshalb gilt heute jeder Konsument als Datenquelle.
Sich dem zu entziehen, ist schwer. Doch dass es grundsätzlich geht, ohne zum Totalverweigerer in Sachen Digitalisierung zu werden, haben nun Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des FZI Forschungszentrums Informatik in Karlsruhe in einem Forschungsprojekt gezeigt. Das Projekt, finanziert durch die Baden-Württemberg Stiftung, trägt den Namen AVARE („Anwendung zur Verteilung und Auswahl rechtskonformer Datenschutzeinstellungen“). Das Ergebnis des Projekts kann sich sehen lassen, denn es vereint auf clevere Weise die Reduktion von Daten mit rechtlicher Sicherheit und intuitiver Bedienbarkeit.
Sascha Alpers, wissenschaftlicher Mitarbeiter am FZI und einer der Projektbeteiligten, erläutert das Prinzip von AVARE anhand der beliebten Messenger-App Whats-App: „Wir haben einen Weg gesucht, um Anwendungen wie WhatsApp uneingeschränkt nutzen zu können, aber die eigenen Daten nur kontrolliert weiterzugeben.“ AVARE lässt sich dazu auf einem Android-Gerät wie eine App installieren und erzeugt dann einen isolierten Bereich, über den die Kommunikation zwischen Apps und Betriebssystem läuft. Das Prinzip ist in der Softwarewelt etabliert und wird „Sandbox“ genannt. Will WhatsApp auf die Kontakte im Adressbuch zugreifen, erkennt AVARE das und ermöglicht dem Nutzer, nur einzelne Kontakte freizugeben und die Freigabe auch da auf Angaben wie Mobilnummer und Name zu beschränken. „Adresse oder Geburtsdatum zum Beispiel sind ja für einen Chat nicht erforderlich“, sagt Alpers.
AVARE kann auch die Genauigkeit der Ortsangabe innerhalb eines Radius von mehreren Kilometern verwischen, sodass zwar eine Wetter-App weiterhin verlässliche Voraussagen treffen kann, die Standortinformation aber keine gebäudegenaue Auflösung mehr liefert.
Nützliche Einstellungen für viele Apps wie Spiele und Messenger
Um das Einrichten des Programms zu erleichtern, haben die Forscher für Kategorien wie „Messenger“ oder „Spiele“ Zugriffsrechte voreingestellt. „So ist gewährleistet, dass eine App weiter funktioniert“, sagt Alpers. „Aber der Nutzer kann diese Einstellungen jederzeit detailliert an seine Bedürfnisse anpassen.“ Hat er sein Datenschutzprofil für eine Kategorie angelegt, kann er es auf alle anderen Apps dieser Kategorie sowie auf weitere Geräte wie Tablets oder Smart-phones übertragen.





