Bei der Restauration von Gemälden kommen oft Techniken wie Laser und Infrarot-Kameras zum Einsatz. So werden Konturen, aber auch Beschädigungen sichtbar, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Italienische Wissenschaftler haben nun eine neue Methode angewandt, um Fresken aus dem 15. Jahrhundert noch mehr Geheimnisse zu entlocken.
Mithilfe der Thermal Quasi-Reflektographie (TGR) haben Wissenschaftler um Claudia Daffara von der Universität Verona Fresken von Gli Zavattari aus der Teodolinda-Kapelle im Dom von Monza und dem Werk ?Die Auferstehung? von Piero della Francesa untersucht. Dazu leuchteten sie die Wandgemälde aus dem 15. Jahrhundert mit schwachen Halogen-Lampen an, die Licht im Mittleren Infrarotbereich (MIR) zwischen 3 und 5 Mikrometer Wellenlänge aussenden. Das TQR ermittelte die Reflexion der Bilder. Da jedes Material die einzelnen Wellenlängenbereiche unterschiedlich stark reflektiert, entstanden völlig neue Aufnahmen der Wandgemälde. ?Unseres Wissens sind wir die ersten, die diese Technik bei Kunstwerken anwenden?, erklärt Studienleiter Dario Ambrosini von der Universität Aquila. Und die Ergebnisse lassen auf weitere Einsätze des TQR hoffen: Das Mittlere Infrarot macht Konturen, aber auch angewandte Maltechniken und Materialien sichtbar, die im Nahen Infrarot (NIR) bei einer Wellenlänge von unter 3 Mikrometern nicht zu erkennen waren. ?Auf den Zavattari-Fresken offenbarte unsere Methode Nachbesserungen, bei denen fehlende Gold-Verzierungen neu übermalt wurden?, berichtet Claudia Daffara. ?So erkannte das TQR die Rüstungen auf einem der Gemälde viel besser, als das im sichtbaren Bereich der Fall ist.? Ausschnitt aus einer Freske von Gli Zavaratti
Links: Das Wandgemälde, wie es für das menschliche Auge sichtbar ist. Mitte: Aufnahme im Nahen Infrarot. Rechts: die silbernen Konturen der Rüstungen, die erst durch das TQR sichtbar werden. Bild: Optics Express Auch auf Francescas ?Die Auferstehung? brachte das TQR Retuschen zum Vorschein, die bislang nicht bekannt waren. Die größte Überraschung für die Forscher brachte jedoch die Umgebung um ein Schwert, für die zwei unterschiedliche Maltechniken kombiniert wurden. Ausschnitt aus ?Die Auferstehung? von Piero della Francesca
In der NIR-Aufnahme (links) sind Hintergrund (D) und Schattierungen (E) besser zu erkennen. Im TQR (rechts) konnten die Wissenschaftler zusätzliche Retuschen (A), Unregelmäßigkeiten (B) und kombinierte Techniken (C) ausfindig machen. Bild: Optics Express
Claudia Daffara (Universität Verona) et al.: Optics Express, Band 20, Seite 14746-14753 © wissenschaft.de ? Marion Martin





