Im Kosmos kommt es immer wieder zu energiereichen Explosionen, die kurzzeitig helle Gamma- und Röntgenstrahlenausbrüche erzeugen. Doch Astronomen kennen längst nicht alle Ursachen dieser Phänomene. Für besonderes Rätselraten sorgen seit gut zwei Jahren die sogenannten schnellen Röntgen-Transienten (fast X-ray Transients). Dabei handelt es sich um intensive Ausbrüche weicher Röntgenstrahlung, die bis zu zehn Minuten lang anhalten können.
Entdeckt wurden diese Röntgenausbrüche erst durch das im Januar 2024 gestartete chinesisch-europäische Weltraumteleskop „Einstein Probe“. Dieses ist darauf spezialisiert, kurzlebige Ereignisse im weichen Röntgenbereich einzufangen – und hat bereits Hunderte solcher Röntgenblitze detektiert. Einige davon ließen sich zu Supernovae massereicher Sterne zurückverfolgen, andere blieben jedoch unerklärt.
Erst Gammablitz, dann Röntgenexplosion
Jetzt hat ein scheinbar ganz anderes Himmelsereignis das Geheimnis um diese langsamen Röntgenblitze gelüftet. Am 4. Juli 2025 detektierten mehrere Gammastrahlen-Satelliten das kurze, aber intensive Aufleuchten eines Gammastrahlenausbruchs – der Gammablitz hielt weniger als eine halbe Sekunde lang an. „Damit schien es sich bei diesem Ereignis um einen typischen kurzen Gammastrahlenausbruch zu handeln“, erklärt Erstautor An Li von der Normaluniversität in Peking.
Doch anders als erwartet hatte der GRB 250704B getaufte Gammastrahlenausbruch ein Nachspiel: Als Li sich die zeitgleich aufgezeichneten Daten der Einstein Probe anschaute, entdeckte er auch dort ein Signal: Die Quelle des Gammastrahlenblitzes setzte fast zehn Minuten lang immer wieder Schübe weicher Röntgenstrahlung im Energiebereich zwischen 0,5 und 4 Kiloelektronenvolt frei – wie für die schnellen Röntgent-Tansienten typisch.

Am 4. Juli 2025 detektierten die Gammastrahlen-Satelliten SVOM und HXMT einen kurzen Gammastrahlenausbruch (blau). Die Einstein Probe zeichnete die aus derselben Quelle stammende weiche Röntgenstrahlung (rot) auf. — © Yi-Han Iris Yin/ University of Hong Kong






