Stoff für Drehbuchschreiber, Albtraumszenario für Bürger und Anti-Terror-Experten: Lone-Wolf-Terroristen beschaffen sich Atommüll und setzen ihn irgendwo in Deutschland frei. Der Mensch hat kein Sinnesorgan für Radioaktivität, wären wir alle daher der unsichtbaren Gefahr ausgeliefert? Mitnichten. Denn unbemerkt und unbeachtet von einem Großteil der Bevölkerung betreibt das Bundesamt für Strahlenschutz ein engmaschiges Netz von Messstellen in ganz Deutschland. Permanent misst es die Gammastrahlen-Ortsdosisleistung und würde bei einer Erhöhung sofort Alarm schlagen. Doch Radioaktivität ist nur ein Beispiel dafür, wie wir hinter den Kulissen 24/7/365 vor Gefahrstoffen geschützt werden. Der folgende Artikel zeigt einige besonders wichtige Schutzsysteme, die jeden von uns alltäglich vor Gefahren bewahren.
Alles beginnt mit einem Sticker
So gefährlich solche Szenarien, wie sie in der Einleitung skizziert wurden, in der Wirklichkeit auch wären, das Risiko, dass sie eintreten, ist nachgerade verschwindend gering. Was in Sachen Gefahrstoffen sehr viel realer ist – und in Anbetracht der Zahlen auch am häufigsten vorkommt – ist, dass jemand einen Behälter öffnet, der geschlossen bleiben sollte. Dass jemand einen Stoff, der nicht gemischt werden darf, mit etwas anderem vermischt. Dass jemand eine Chemikalie, die nur mit Schutzbekleidung gehandelt werden darf, mit blanken Händen verwendet. Und gerade in Anbetracht der Tatsache, dass es unzählige chemische Verbindungen gibt, die entweder für sich gefährlich sind oder es werden, wenn sie falsch gehandhabt/gemischt werden, ist das Risiko dafür enorm hoch.
Tatsächlich gebührt der Ruhm für den vielleicht nachhaltigsten Schutz, mit Sicherheit aber alltäglichsten, einem ganz einfachen, aber global verständlichen Hinweissystem: Chemie-Etiketten. Sie sind nicht nur für alle neun Gefahrstoff-Kategorien vorgeschrieben, sondern müssen auch in einer über das GHS (das Global Harmonisierte System) festgelegten Weise mit weltweit einheitlichen Piktogrammen, Farb- und Zahlencodes versehen sein, müssen je nach Stoff aus bestimmten Materialien bestehen und in bestimmter Ausrichtung aufgeklebt werden. Alles nur, damit bei jeder Chemikalie von Aluminiumfluorid bis Zirkonylchlorid jederzeit klar ist, was in welcher Menge im Behälter steckt und darüber auch, was im Unfall zu tun ist. Und die Symbolik wurde von Expertengremien so ausgewählt, dass sie auch für Laien verständlich ist, selbst wenn diese des Lesens und Schreibens nicht mächtig sind. Tatsächlich sind diese Etiketten so wichtig, dass sie auf jedem Gefahrstoffbehälter zu finden sind, ganz egal, wie klein oder groß. Damit sind sie der wohl größte Grund dafür, dass im Radio so selten die Meldung kommt „…Anwohner werden gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten“.





