Clas-Otto Wene: Das kommt ganz darauf an, wen Sie fragen. Die kernkraftfreundlichste Partei in Schweden, die liberale “Folkpartiet”, würde sagen: Es ist der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen. Wenn Sie zu den Grünen und Linken gehen, würden die sagen: Energiewende ist der Ausstieg aus fossilen Energieträgern und Kernkraft verbunden mit dem Ausbau der Erneuerbaren sowie Energieeinsparungen. Das Spektrum ist in Deutschland ähnlich.
Wie erfolgreich sind die beiden Länder bei der Umsetzung?
Hier ist Deutschland heute wesentlich besser aufgestellt als Schweden.
Warum das? Schweden hat doch heute schon einen hohen Anteil erneuerbarer Energiequellen und einen geringen CO 2-Ausstoß.
Ja, und die schwedischen Politiker tun gerne so, als wären sie besonders weitsichtig gewesen – und als sei das der Grund für den geringen CO 2-Ausstoß. Aber die heutige Lage ist historisch bedingt. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts hat man den Nationalen Wasserfall-Vorstand gegründet und großflächig Wasserkraft gefördert. Dieses Agieren auf nationaler Ebene war der Grundstein dafür, dass die Wasserkraft in Schweden heute so verbreitet ist. In den 1950er und 1960er-Jahren kam dann die Atomenergie hinzu, auch die produziert wenig CO 2 und trägt heute noch zum Energiemix bei.
Warum sagen Sie dann dennoch, Schweden sei schlecht aufgestellt für die Energiewende?
Wir haben den Zug verpasst, was Solar- und Windkrafttechnologie angeht. Man hat zwar viel Geld in die Forschung für erneuerbare Energien gesteckt, aber für die Industrie war der Anreiz nicht groß genug, sich der Sache anzunehmen. Stattdessen haben vor allem die Kraftwerksbetreiber auf Kernkraft gesetzt. Bei den Erneuerbaren fehlen uns deshalb jetzt der Markt und auch die Kompetenz. Dabei hat Schweden eigentlich bessere Voraussetzungen dafür als Deutschland, weil es dünner besiedelt ist und damit mehr Platz für Windräder und Solaranlagen bietet.
Wie hat Deutschland es geschafft, sich trotzdem so gut auf die Energiewende vorzubereiten?
Der entscheidende Punkt sind die erfolgreichen Markteinführungsprogramme. Forschung allein bringt eine Technologie nicht auf den Markt, sondern es braucht das, was in Deutschland ab den 1990er-Jahren passiert ist: eine gesetzliche Priorisierung der erneuerbaren Energien zu einer Zeit, als die Kapazität der Windkraftanlagen gerade mal 250 Megawatt betrug. Dieses Gesetz hat Deutschland den entscheidenden Vorteil gebracht.





