Ist der Euro nun härter als die Mark? Diese Frage scheint unter Materialforschern umstritten, die sich mit der Oberfläche der Einheitswährung befassen: Messungen aus dem britischen Newcastle kommen zu anderen Ergebnissen als Studien aus dem sächsischen Dresden.
Der britische Forscher Steve Bull von der Universität Newcastle hat mit einem speziellen Messgerät die erforderliche Kraft gemessen, um eine winzige Delle in die Oberfläche der Münzen zu drücken. Sein Ergebnis: Die in Großbritannien noch ungültige Europawährung ist um zehn bis zwanzig Prozent weicher als die Mark. Diese liegt gleichauf mit dem nach wie vor gängigen britischen Pfund. Bei ähnlichen Tests an der Technischen Universität Dresden schlug der Euro dagegen die Mark bei weitem: Selbst die 10-Cent-Münze sei “bissfester” als die einstige deutsche Musterwährung, verkündeten die Materialforscher bereits vor einigen Wochen.
Bodo Wolf vom Nanohärtelabor der TU Dresden kann sich die widersprüchlichen Ergebnisse nur mit feinen Unterschieden in den Messmethoden erklären. Wird beispielsweise mit extrem großen Kräften gemessen, was entsprechend tiefe Dellen ins Material drückt, könne durchaus eine andere Härte herauskommen als bei Messungen mit geringeren Kräften und kleineren Dellen. Wichtig sei auch, wo gemessen wird: Nehme man beispielsweise auf der 1-Euro-Münze einen Punkt auf der französischen Küste der aufgeprägten Europakarte, so sei das Material dort härter als draußen im freien Atlantik. Der Grund: Das Material wird beim Prägen der Münze an den Konturen stärker verformt und ist daher härter.
Letztlich sei es jedoch gleichgültig, ob der Euro nun härter oder weicher ist als die Mark, meint Wolf. Den Belastungen des Alltags wie dem Stoßen und Reiben in Geldbeuteln, Automaten und Ladenkassen seien die neuen Münzen in jedem Fall gewachsen.
ddp/bdw ? Ulrich Dewald





