Schlechte Straßenverhältnisse wegen Schnee und Glatteis sind in Nordeuropa keine Seltenheit. Autofahrer nutzen daher im Winter Reifen mit Metall-Spikes. Durch die globale Erwärmung mangelt es jedoch inzwischen öfters an Schnee, mit fatalen Folgen für den Straßenbelag: Die Spikes zerstören den Asphalt und setzen durch ihren Abrieb große Mengen an möglicherweise krebserregendem Staub frei. Forscher der britischen Newcastle University entwickeln jetzt für Island einen Spezialbeton mit Vulkanascheteilchen, der den Metallspitzen künftig besser widerstehen soll.
Inzwischen taut der Schnee in Island an manchen Wintertagen. Dennoch kann die isländische Regierung kein Spikes-Verbot anordnen, da an schneereichen Tagen die Zahl der Unfälle und Pannen stark zunehmen würde, beschreibt John Knapton, Bauingenieur-Professor an der Universität von Newcastle das Problem. Knapton und sein Team führen derzeit Versuche mit sechs verschiedenen Betonarten durch, die aus Zement und Vulkanasche bestehen.
Asche ist in Island in großen Mengen vorhanden. Das Hochland der Insel besteht aus vulkanischem Gestein mit über 20 noch tätigen Vulkanen. Auf einem Testgelände lassen die Forscher einen ferngesteuerten 14-Tonner-LKW mit Spikes-Reifen 100.000-mal auf Streifen aus unterschiedlichen Beton auf- und abfahren. Am Ende des sechswöchigen Experiments wird ein Speziallabor der Universität die Widerstandsfähigkeit der einzelnen Streifen beurteilen.
Die haltbarste Betonvariante soll künftig auf Islands Straßen zum Einsatz kommen. Bislang hat sich ein Zement mit einem Zusatz von zerkleinertem Vulkangestein am besten bewährt, so Knapton. Island ist am stärksten von den Straßenschäden betroffen, Reparaturkosten in Millionenhöhe stehen an.
Almut Bruschke-Reimer