Die Wissenschaftler stellten nun aus dem lichtsensiblen Material einen filmartigen Streifen her, den sie durch äußere Kräfte ausdehnten und anschließend mit UV-Licht bestrahlten. Durch die Quervernetzung der Zimtsäure-Moleküle blieb der Filmstreifen von selbst in der verlängerten Form. Wurde er jedoch mit dem leicht veränderten UV-Licht behandelt, löste sich das Zimtsäure-Netzwerk auf, und der Film kehrte wieder in seine ursprüngliche kürzere Form zurück.
In einem weiteren Versuch bestrahlten die Forscher nur eine Seite des gedehnten Films mit UV-Licht. Diesmal behielt der Streifen nicht seine ausgedehnte Form, sondern rollte sich in einer Spirale zusammen. Grund dafür war die unterschiedliche Bestrahlung: Die Quervernetzung der Zimtsäure hatte nur auf der bestrahlten Seite stattgefunden.
Das Prinzip, das den lichtempfindlichen Kunststoffen zugrunde liegt, nennen Experten “Formgedächtnis”. Materialen mit Formgedächtnis sind in der Lage, sich ihre ursprüngliche Gestalt zu merken. Werden sie durch äußere Krafteinwirkung in eine andere Form gebracht, können sie diese unter bestimmten Voraussetzungen beibehalten und kehren aufgrund eines äußeren Reizes wieder in ihre ursprüngliche Form zurück. Bisherige Materialien mit Formgedächtnis reagieren meist auf Temperaturveränderungen.
Mögliche Anwendungen sehen die Entwickler unter anderem in der Medizintechnik. Denkbar seien beispielsweise so genannte Stents aus dem Material, erklärt Sabine Benner vom GKSS in Teltow gegenüber ddp. Solche Gefäßstützen werden mit minimalinvasiver Chirurgie in ein verengtes oder beschädigtes Blutgefäß eingeführt und stabilisieren dieses. Stents aus dem neuen Material könnten leicht eingeführt und erst vor Ort durch UV-Licht ausgehärtet werden.
Andreas Lendlein ( GKSS-Forschungszentrum, Teltow) et al: Nature, Vol. 434, S. 879




