Den so steuerbaren Transport des Metalltropfens beobachtete Zettl unter einem Transmissionselektronenmikroskop (TEM) und hielt die Bewegung in einem Videofilm fest. Größere Förderstrecken erreichte die Arbeitsgruppe mit einem rund drei Mikrometer langen Bündel aus Nanoröhrchen. Bei Spannungen von etwa zwei Volt und Strömen von 50 Mikroampère ließen sich Indiummengen auf das Femtogramm genau in wenigen Minuten bis Sekunden über das Röhrchen hin und her bewegen. Dazu mussten die Forscher lediglich die Pole des angeschlossenen Stromkreises vertauschen. “Sowohl die Förderrate als auch die Richtung dieses Massentransports hängt von der angelegten Spannung ab. Eine präzise Kontrolle ist möglich”, so Zettl. Wird der Stromkreis unterbrochen, stoppt auch sofort der Metalltransport. Den Grund für dieses schnelle “Abschalten” sehen die Forscher in der einzigartigen Leitfähigkeit der Nanoröhrchen.
Im Prinzip hält Zettl sogar eine Regelung der Fördermenge auf ein Atom genau für möglich. Um eine exakte Menge des transportierten Metalls an einem Ende der Röhre zu erhalten, müsse bei angelegter Spannung nur eine festgelegte Zeit gewartet werden, bis sich ein Indiumtropfen der gewünschten Masse herausgebildet hat. Diesen Tropfen könne das Nanoröhrchen-Bündel dann wie ein Nanolötkolben an dem gewünschten Ort absetzen. Ähnliche Erfolge erzielte die Gruppe auch mit anderen Metallen wie Gold, Platin, Zinn und Zinn-Indium-Legierungen. Eine genaue Erklärung für den Mechanismus, der hinter diesem “Tröpfchentransport” steckt, konnten die Physiker allerdings noch nicht liefern. Zwar spielt der Temperaturgradient innerhalb des Röhrchens eine Rolle, aber die beobachtete Bewegung lässt sich mit einer reinen “Thermomigration” nicht erklären. Vielmehr vermuten sie, dass die lokal unterschiedliche Ausbildung eines elektrischen Felds mit berücksichtigt werden müsse. “In einem Elektromigrations-Modell zählt der Elektronen-Transfer von den Indium-Atomen in das Nanoröhrchen und zeichnet für die beobachtete Transportrichtung verantwortlich”, so Zettl.





