Herstellern von Musikinstrumenten aus Holz steht jetzt mit „ Arbophonic” ein neuer Werkstoff zur Verfügung, der das Naturprodukt ersetzen könnte und einfach zu verarbeiten ist. Arbophonic ging aus dem Flüssigholz „Arboform” hervor, das Ende der Neunzigerjahre am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal bei Karlsruhe von Helmut Nägele und Jürgen Pfitzer entwickelt wurden (bild der wissenschaft 2/2002, „ Baumstark”). Arboform besteht aus Lignin – dem Hauptbestandteil von Holz – und Fasern aus Hanf, Flachs, Jute, Sisal oder Baumwolle. Bei Temperaturen zwischen 110 und 170 Grad Celsius und einem Druck von 1000 Bar wird der Stoff flüssig. Dann lässt er sich in Formen spritzen und besitzt nach dem Aushärten ähnliche Eigenschaften wie Holz. Aus der Biomasse werden inzwischen auch Platinen und Leiterplatten hergestellt, die ohne halogenierte Flammschutzmittel, Blei, Cadmium und Quecksilber auskommen und daher bei der Produktion sehr umweltfreundlich sind.
Arbophonic entstand in einem Verbundprojekt unter Federführung von ICT sowie Nägele und Pfitzer, die 1998 das Unternehmen Tecnaro gegründet hatten. Erste Instrumente aus dem neuen Werkstoff – zum Beispiel Flöten – werden bereits hergestellt. Abgesehen von der Umweltfreundlichkeit und den guten Klangeigenschaften, hat die Flöte aus Flüssigholz noch weitere Vorteile: Sie ist problemlos abwaschbar, und das Material ist so hart, dass es keine Abnutzungserscheinungen – etwa durch Kauen am Flötenkopf – gibt. Das Instrument soll bereits in diesem Jahr auf der Frankfurter Musikmesse vorgestellt werden.





