Die Große und die Kleine Magellansche Wolke sind die nächsten Nachbarn der Milchstraße: Die beiden Zwerggalaxien liegen nur 160.000 und 200.000 Lichtjahre entfernt. Mit unserer Heimatgalaxie verbindet sie daher eine enge, nicht immer „friedliche“ Geschichte. Denn wiederholt hat die Milchstraße ihren beiden Nachbarn Sterne, Gas und ganze Sternenströme „gestohlen“. Auch die beiden Magellanschen Wolken beeinflussen sich gegenseitig.

Besonders davon betroffen ist offenbar die Kleine Magellansche Wolke: Schon Anfang 2025 entdeckten Astronomen bei der Bewegungsanalyse von gut 7400 massereichen Sternen in dieser Zwerggalaxie Auffälligkeiten: Ein großer Teil ihrer Sterne kreist nicht um das Zentrum der Kleinen Magellanschen Wolke, sondern bewegt sich nach zwei Seiten auseinander. Die Richtung dieses Auseinanderweichens legte nahe, dass dort Gezeitenkräfte der benachbarten Großen Magellanschen Wolke am Werk sein könnten.
Genauerer Blick auf die stellare Dynamik unserer Nachbarin
Wie weit diese Störung jedoch geht und was dies für die Struktur der Kleinen Magellanschen Wolke bedeutet, blieb aber zunächst unklar. Deshalb haben nun Astronomen um Sreepriya Vijayasree vom Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam (AIP) die stellaren Dynamiken in der Kleinen Magellanschen Wolke noch einmal genauer untersucht. Dafür analysierten sie Daten des VISTA-Teleskops der Europäischen Südsternwarte auf dem Paranal in Chile, die im Rahmen der VMC-Durchmusterung gewonnen wurden.
„Die VMC-Durchmusterung wurde konzipiert, um die Magellanschen Wolken im Infrarotlicht in beispielloser Detailgenauigkeit zu kartieren, sodass wir durch den Staub blicken und Sternpopulationen über einen weiten Altersbereich hinweg untersuchen können“, erklärt Projektleiterin Maria-Rosa Cioni vom AIP. „Die jüngste Veröffentlichung der VMC-Daten erweitert den Beobachtungszeitraum auf insgesamt 11 Jahre und ermöglicht damit wesentlich präzisere Messungen der Sternbewegungen als frühere Studien.“






