Für ihre Untersuchung scannten sie mit Computertomographen das gesamte Skelett eines Haastadlers und rekonstruierten die Größe des Gehirns, der Augen und der Wirbelsäule. Die Wissenschaftler verglichen die Resultate mit Daten heute lebender Raubvögel und leiteten daraus die Verhaltensweisen des neuseeländischen Riesenadlers ab. Das Verhältnis der verschiedenen Organe zueinander gibt Aufschluss über die Intelligenz und das Verhalten eines Tieres. Die Wissenschaftler kamen dabei zu dem Schluss, dass der Haastadler ein eher ängstliches Tier war, das seine Beute von geschützten Standorten auf Felsen aus ergriff. Möglicherweise ernährte er sich sogar wie ein Geier ausschließlich von Aas.
“Hier haben wir ein Paradebeispiel dafür, wie Wissenschaftler dank den weit entwickelten medizinischen Untersuchungsmethoden Rätsel um ausgestorbene Tiere lösen können”, erklärt Ashwell. Mit diesen Methoden konnten die Forscher außerdem zeigen, dass sich der Vogel sehr schnell aus seinen Vorfahren entwickelt hat. Diese waren Raubvögel von viel kleinerem Körperbau. Doch der Haastadler konnte sich auf lange Sicht genauso wenig durchsetzten wie seine Vorgänger: Vor 500 Jahren starb er schließlich aus. Als Ursache vermuten die Forscher die Zerstörung seines Lebensraumes und die Ausrottung seiner Beutetiere durch frühe Siedler, die zu dieser Zeit aus Polynesien nach Neuseeland einwanderten.




