Exotisches Chamäleon
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Exotisches Chamäleon

Die Chamäleons auf Madagaskar gehören zu den Wirbeltieren mit der kürzesten Lebenszeit.n Bild: Christopher Raxworthy (Amerikanisches Museum der Naturgeschichte in New York)

Dieses Chamäleon der Art Calumma oshaughnessyi kommt nur in den bergigen Regenwäldern auf Madagaskar vor. Damit ist der Tarnkünstler ein Beispiel für zahlreiche andere Reptilien, die jeweils ausschließlich auf einer einzigen Insel endemisch sind. Von den weltweit etwa 12.000 bekannten Reptilienarten leben etwa ein Drittel auf Inseln – und fast vier Prozent allein auf Madagaskar. Neben diesem Chamäleon zählen zu solchen Insel-Reptilien beispielsweise der Komodowaran, die Galapagos-Schildkröte, die Tarantola-Geckos auf den Kapverden und viele Anolis-Eidechsenarten auf den karibischen Inseln. Entwickeln konnten sich diese Arten, weil sie auf ihren Inseln kaum Fressfeinde haben.
Foto eines Chamäleons
Calumma oshaughnessyi lebt nur auf Madagaskar. © Ricardo Rocha

Ihre Isolation macht die Arten einzigartig, allerdings auch verletzlich. Denn wenn ihr Lebensraum durch menschliche Einflüsse zerstört wird, haben die Reptilien in der Regel keine Ausweichmöglichkeiten und Abwehrmechanismen. Die Insel-Exoten sterben daher leichter aus als ihre Festland-Verwandten. Derzeit sind etwa 30 Prozent der Eiland-Reptilien vom Aussterben bedroht, wie ein Team um Ricardo Rocha von der University of Oxford kürzlich festgestellt hat. Über alle Reptilien hinweg sind es hingegen nur zwölf Prozent.

Das Tragische daran: Die Insel-Reptilien erfüllen in der Regel wichtige Funktionen in ihrer Umwelt. „Reptilien sind Schlüsselarten für Inselökosysteme. Auf Madeira beispielsweise sind Mauereidechsen allgegenwärtig; sie jagen Insekten, bestäuben Pflanzen und fressen Früchte. Wenn die Reptilien auf Inseln verschwinden würden, hätte dies enorme Auswirkungen auf viele andere Arten“, sagt Rocha. Die Zerstörung ihres Lebensraums bedroht daher die gesamte Biodiversität und das fragile Gleichgewicht auf den Inseln.

Zu den menschlichen Einflussfaktoren zählen dabei etwa Landwirtschaft, Abholzung, Umweltverschmutzung oder die Einschleppung invasiver Raubtiere – vor allem Katzen, die viele Insel-Reptilien jagen und fressen. „Unsere Forschung auf Madeira ergab, dass eine einzelne Katze in nur einem Jahr mehr als 90 Eidechsen fressen kann“, so Rocha. Das Madagaskar-Chamäleon ist hingegen vor allem durch Entwaldung bedroht.

Um dieses und andere Insel-Reptilien besser schützen zu können und weitere Verluste zu vermeiden, ist jedoch dringend mehr Forschung nötig. Denn diese Inselbewohner werden bislang deutlich seltener erforscht als Festland-Reptilien. Seit 1960 haben sich weniger als sieben Prozent aller Reptilien-Studien mit ihnen befasst. Das führt zu der absurden Situation, dass die Insulaner häufig aussterben, bevor sie überhaupt näher untersucht wurden.

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