Das Gespräch führte TIM SCHRÖDER
Herr Alias, unbemannte Schiffe scheinen die perfekte Lösung zu sein, um dem Personalmangel in der Binnenschifffahrt zu begegnen. Ist das die Zukunft?
Der Vorteil liegt auf der Hand. Unklar ist aber, ob sich die Kosten für die Automatisierung am Ende rechnen und wie gut sich unbemannte Schiffe in die allgemeinen logistischen Abläufe, etwa in den Häfen, integrieren lassen. Die Kosten für zusätzliche Kameras, LIDAR-Systeme und die übrige Technik belaufen sich auf bis zu 100.000 Euro pro Schiff – also allein für die Automatisierung der Navigation. Da ein Binnenschiff 40 bis 80 Jahre alt werden kann, wird man die Technik immer mal wieder erneuern müssen. Die Kosten müssen daher über die gesamte Lebenszeit betrachtet werden.
Aber wenn es keine Nachwuchskräfte gibt, bleibt den Reedereien am Ende nichts anderes übrig, als auf Automatisierung zu setzen?
Das ist die Frage – einfach deshalb, weil die Besatzung ja viele verschiedene Aufgaben übernimmt. Der Schiffsführer ist heute zum Beispiel dafür verantwortlich, dass das Schiff am Kai richtig festgemacht wird. Künftig müssten das Roboter an Bord oder Arbeiter im Hafen übernehmen. Die Hafenbetreiber müssten dafür Leute bereitstellen und bezahlen. Bisher ist unklar, wer die Kosten übernehmen soll. Auch für das Löschen der Ladung oder das Betanken, das Bunkern, braucht man Personal. Ein Beispiel sind Tankschiffe, die flüssige Chemikalien transportieren. Um die Flüssigkeiten hin- und her zu pumpen, müssen dicke, schwere Schläuche von der Hafenkante über die Reling auf das Schiff gehievt und mit einem Flansch verschraubt werden. Die Arbeiter an Bord heben dabei ein Gewicht von rund 70 Kilogramm. Auch hier ist der Schiffsführer für alles verantwortlich, was an Bord passiert. Bei unbemannten Schiffen müssten die Verantwortlichkeiten geklärt werden, weil fremde Leute an Bord kämen.
Lässt sich der Beladevorgang denn nicht auch automatisieren?
Das ist denkbar. In dem Forschungsprojekt „CoboTank“ entwickeln wir gerade einen Tankroboter, der den schweren Schlauch automatisch bis ans Schiff heranführt. Die Arbeit auf dem Schiff aber muss aus rechtlichen Gründen heute von Menschen durchgeführt werden. Daher entwickeln wir in dem Projekt zudem einen kooperierenden Roboter, der den Arbeitern dabei hilft, den schweren Schlauch an Bord zu bewegen – aber vom Menschen geführt wird. Allerdings müssten die Reeder für eine Vollautomatisierung an Bord ihrer unbemannten Schiffe auch noch teure Roboter installieren – und das für eine Aufgabe, die gerade einmal 15 Minuten dauert und nur alle paar Tage anfällt. Die übrige Zeit stünde der Roboter nutzlos herum.





