Forscher um Randall White führen bereits seit Mitte der 1990er Jahre Grabungen in Abri Castanet durch. 2007 entdeckten sie einen 1,5 Tonnen schweren Kalksteinblock, der an der Unterseite Gravierungen und Spuren von Farbe aufwies. Wie sie nun schreiben, bildete der Felsblock ursprünglich die Decke des Unterschlupfes. Der Abstand zum Boden betrug etwa zwei Meter. Damit lag die Decke in Reichweite der Steinzeit-Künstler.
Als der Felsvorsprung einstürzte, begrub er den Hausrat der Steinzeit-Menschen unter sich und zertrümmerte einige Werkzeuge aus Feuerstein. Da sich zwischen der gravierten Unterseite des Felsbrockens und der Schicht mit den Schabern, Pfeilspitzen und durchbohrten Schneckenhäusern keine weiteren Ablagerungen befanden, schließen die Forscher, dass die Besitzer der Gegenstände gleichzeitig auch die Künstler waren. Anhand einiger Knochenreste konnten White und Kollegen mithilfe der Radiokarbon-Methode nun erstmals bestimmen, wann der Felsvorsprung bewohnt war. Demnach lebten die Steinzeit-Menschen der Aurignac-Kultur vor etwa 37.000 Jahren in Abri Castanet. Insgesamt nutzten sie das Quartier nur gut 400 Jahre lang als Wohnstätte.
Die Verzierungen an der Höhlendecke waren allerdings weit weniger kunstvoll als die detailreichen Tierdarstellungen aus der Chauvet-Höhle oder der Höhle von Lascaux, die nur wenige Kilometer von Abri Castanet entfernt liegt. Die Forscher entdeckten eine halbfertige Tierdarstellung, die vermutlich ein Bison zeigt, und zwei ringförmige Symbole. Zahlreiche ähnliche Formen sind aus anderen während des Aurignacien bewohnten Höhlen im Vézère-Tal bekannt. Archäologen halten sie für Darstellungen weiblicher Geschlechtsorgane.




