Blicken Sie gerne über den Tellerrand hinaus? Haben Sie gelegentlich Geistesblitze? Gibt es Produkte oder Prozesse, die Sie mitentwickelt haben? Ohne Ihre Antworten im Einzelnen zu kennen, glaube ich sie doch in ihrer Gesamtheit zu erahnen. So wie ich werden wohl viele dazu neigen, diese Fragen zu bejahen. Wer will schon kleinkariert dastehen, einfältig und fantasielos? Selbst wenn wir uns nicht für einen großen Kreativen halten – so ein bisschen Kreativität billigen wir uns gerne zu. Und fasziniert blicken wir auf Geistesgrößen wie Ludwig van Beethoven, Thomas Alva Edison oder Pablo Picasso, die ihr Leben lang Neues geschaffen und damit die Menschheit bereichert haben.
Doch was wissen wir über kreative Zeitgenossen, die noch voll im Arbeitsprozess stecken? Da gibt es den Artur Fischer, der es auf mehr als 1000 Patentanmeldungen gebracht hat. Indes: Der Dübelkönig aus Tumlingen im Schwarzwald wird bald 91, hat also seine produktivste Zeit hinter sich. Auch Karlheinz Brandenburg wird als „Vater des MP3-Kompressionsstandards” immer wieder gerne als große Erfinderpersönlichkeit ausgezeichnet. Weitere Namen zu nennen, fällt mir schwer. Wenn ich nachdenke, kenne ich weitaus mehr Millionäre als Erfinder. Dabei ist unser Land doch so angewiesen auf kreative Köpfe!
Seit etlichen Jahren war ich auf der Suche nach einer modernen Erfinderpersönlichkeit, die mir nachvollziehbar vermitteln kann, wie man es über Jahre hinweg schafft, ein Patent nach dem anderen anzumelden. Im vergangenen Herbst wurde ich fündig. Bei einem Mittagessen traf ich auf den Münchner Maximilian Fleischer, eine Kapazität in Sachen Gas-Sensorik. Er ist knapp 50 und hat bereits über 150 Patente angemeldet. Fleischer – nicht weltfremd, auch keineswegs zerstreut – ist so gar kein Typ vom Schlage Daniel Düsentriebs.
Mir hat der Mann durch seine gewinnende Art auf Anhieb imponiert. Wir verabredeten uns zu einem zweiten Treffen, bei dem ich Fleischer an einem normalen Arbeitstag über die Schulter geschaut habe. „Voraussetzung für Kreativität ist die Fähigkeit von Menschen, sich auszutauschen, mit anderen Menschen genauso, wie mit ihrem eigenen Inneren”, beschrieb es einmal der Nobelpreisträger Gerd Binnig in bild der wissenschaft. Und weiter: „Ich denke, dass Leute, die anderen schlecht zuhören, auch schlecht auf ihre eigene Stimme hören können.” Diese Aussage bestätigt sich bei Fleischer. Ich war erstaunt, wie punktgenau und präzise er auf alle Fragen antwortete. Lesen Sie meinen Bericht über ihn ab Seite 90.





