MEHR POWER Die Energieversorgung ist wieder ein Thema. Viele Jahre interessierte sich die Öffentlichkeit kaum dafür, obwohl schon seit Jahrzehnten jedem bewusst sein könnte, dass die fossilen Rohstoff ausgehen werden. Doch der Ölpreis – und in seinem Schlepptau der Preis für Erdgas – waren niedrig und machten uns sorglos. 1996 bis 1999 lag er im Monatsmittel weitaus häufiger unter 20 Dollar pro Barrel als darüber.
Inzwischen hat sich die Lage drastisch verändert. Seit Juni 2005 kostet das Barrel im Monatsmittel mehr als 50 Dollar, seit April dieses Jahres sogar mehr als 60 Dollar. Ich als automobiler Vielfahrer spüre die Kostenexplosion an der Schwindsucht meines Geldbeutels, sehe auch an den Abrechnungen meiner sonstigen Energielieferanten, dass da eine unheilvolle Dynamik herrscht. Deshalb begrüße ich, dass man kraftvolle Zeichen setzt, unsere Energieperspektiven neu zu justieren – ganz gleich, ob es sich um Brennstoffzellen dreht (dazu unser Beitrag ab Seite 84), die Kernfusion (Interview ab Seite 90), Energieeinsparmaßnahmen oder die Photovoltaik, über deren phänomenales Wachstum wir in der nächsten Ausgabe berichten werden. Noch können sich die Wenigsten unter uns ein Leben weitgehend ohne Erdöl vorstellen. Doch spätestens unsere Kinder werden zu spüren bekommen, was und wie sich eine Gesellschaft bewegt, die vom flüssigen Gold Abstand nehmen musste.
Angst um diese Entwicklung ist mir nicht. In jeder Krise steckt bekanntlich eine Chance. Die Chance etwa, unseren Mobilitätsansprüchen gerecht zu werden und dennoch Umwelt und Klima mit Schadgasen zu verschonen. Das klappt, wenn wir die Edelenergie Strom in einigen Jahrzehnten so kostengünstig und umweltverträglich erzeugen, dass sich auch Individualfahrzeuge damit – direkt oder indirekt – antreiben lassen. Doch dazu brauchen wir eine völlig andere Infrastruktur. Um sie zu etablieren, sollten wir die neuen Energietechnologien endlich energisch voranbringen. Denn die zweite Hälfte des Jahrhunderts müssen wir weitgehend ohne fossile Brennstoffe meistern. Ob wir wollen oder nicht.





