Lange mussten technikbegeisterte Kunden auf das erste Produkt mit einem Display aus elektronischem Papier warten. Nachdem in den letzten Jahren immer neue, scheinbar marktreife Prototypen vorgestellt wurden, macht Sony mit dem “LIBRIé” nun ernst. Ab dem 24. April können japanische Konsumenten das elektronische Buch, das etwas kleiner als ein DIN A5 Blatt und nur 13 Millimeter dick ist, kaufen. Der Verkaufpreis für “LIBRIé” soll bei etwa 375 Dollar liegen.
Auf dem rund 15 Zentimeter großen, kontrastreichen Schwarz-Weiß-Display können mit nur einem Satz Batterien (4 x AAA) 10.000 Buchseiten mit einer Auflösung von rund 160 Bildpunkten pro Zoll (dpi) angezeigt werden. Auf den internen Speicher von etwa 10 Megabyte lassen sich über eine USB-Schnittstelle bis zu 20 Bücher auf das 190 Gramm leichte Gerät laden. Eine zusätzliche Speicherkarte kann die Datenkapazität auf bis zu 500 Bücher erweitern. “Bis heute waren Konsumenten eher skeptisch gegenüber solchen Anwendungen, weil die Display-Qualitäten bescheiden waren”, sagt Yoshitaka Ukita, Leiter des e-Book Business Department bei Sony. Zwar ist dieses erste Produkt noch nicht flexibel wie echtes Zeitungspapier, doch überzeugt es durch seinen geringen Stromverbrauch und stellt mit dieser Eigenschaft und dem hohen Konstrast die üblichen Flüssigkristall-Bildschirme mit einer stromschluckenden Hintergrundbeleuchtung weit in den Schatten.
In dem elektronischen Papier, eine Entwicklung der Firmen E-Ink und Philips, bewegen sich schwarze und weiße Mikropartikel in vielen, mit Flüssigkeit gefüllten Mikrokapseln je nach anlegter Steuerspannung zur Bildschirmoberfläche, um einen schwarzen Bildpunkt vor weißem Hintergrund darzustellen. Das Geheimnis des geringen Stromverbauchs: Nur zum Wechsel einer Buchseite ist ein kleiner Stromfluss nötig. Ohne Stromzufuhr bleibt die jeweils letzte aufgerufene Seite sichtbar – und das so kontrastreich wie bedrucktes Zeitungspapier, so dass die Schrift auch bei direkt einfallendem Sonnenlicht lesbar bleibt.
Mit ausgewählter Literatur, Manga-Comics und Wörterbüchern passt Sony sein “LIBRIé” zunächst einmal an den japanischen Markt an. Mit einigen Tasten für die Steuerung lässt sich leicht durch die gespeicherten Buchseiten oder die Wortlisten der Nachschlagewerke “blättern”. Wichtiger Partner von E-Ink und Sony ist der niederländische Konzern Philips, der aber selbst noch keine Produkte mit elektronischem Papier vorgesehen hat. Doch Philips stellt in einer eigenen Fertigungslinie im japanischen Kobe mit dem Display das zentrale Modul für das elektronische Buch von Sony her.
Europa wird sich jedoch noch etwas gedulden müssen, bevor ein Produkt mit elektronischem Papier in den Läden liegen wird. “Für eine solche Anwendung kommt es auf die verfügbaren Inhalte an”, so Philips-Pressesprecherin Ellen de Vries. “Daher sprechen wir zur Zeit mit Verlagshäusern, ob sie Interesse an Veröffentlichungen ihrer Werke auf solchen elektronischen Geräten haben. Interessant könnte das vor allem für Schulbücher sein, damit Kinder nicht mehr so schwere Schultaschen tragen müssen.”
Jan Oliver Löfken





