Als die Elektromusik-Urgesteine von Kraftwerk 1975 ihren Song Radioactivity veröffentlichten, waren sie bereits als bahnbrechende Macher bekannt. Als Gruppe, die Ende 1974 mit ihrem Album Autobahn nicht nur eine völlig neue Tür geöffnet, sondern diese überhaupt erst kreiert hatten.
Für viele Menschen markiert die erste Hälfte der Siebzigerjahre den Beginn einer neuen musikalischen Zeitrechnung, der erst dafür sorgte, dass Keyboards, Synthesizer und Computerchips an die Stelle traten, die zuvor von gespannten Saiten und virtuos gefertigten Holz- und Metallwindungen besetzt gewesen war.
Doch auch wenn die heutige Zeit mit einem Instrument wie dem Seaboard an der Schwelle zu noch größerer Digitalisierung zu stehen scheint, sind elektronische Klänge schon sehr alt – sie waren es tatsächlich schon, als sich Kraftwerk von einer Krautrock- zu einer Elektroband wandelten.
Eine Frage der Definition
Dabei muss man zunächst Definition betreiben, denn im Prinzip ist es falsch, von elektrisch-elektronischen Instrumenten als geschlossener Gruppe zu sprechen, weil es zwei getrennte Formen sind:
So, wie elektronische Musik in vielen Köpfen als vergleichsweise junges Phänomen definiert wird, verläuft es auch häufig mit diesen Instrumenten-Bauformen. Sie werden als evolutionär wahrgenommen. Zunächst die elektrischen Instrumente, dann später die elektronischen.
Beides ist falsch. Richtiger wäre es, von einer parallelen Entwicklung zu sprechen. Vollkommen korrekt sogar von einer geschichtlichen Herkunft, bei der die ersten elektronischen Instrumente zirka ein Jahrhundert vor elektrischen Instrumenten entstanden.
Simpel und experimentell
Nachgewiesen ist, dass die ersten elektronischen Instrumente wohl bereits in den Fünfzigerjahren des 18. Jahrhunderts entstanden. Allerdings fehlen die präzisen wissenschaftlichen Erklärungen dafür, wie diese Instrumente – etwa das Denis d’Or – ihre Klänge erzeugten.





