“Die elektrischen Eigenschaften der verschiedenen Eisschichten unterscheiden sich stark voneinander. Diese Struktur wirkt wie ein Wellenleiter”, so Mileski. Radiowellen im salzärmeren oberen Teil werden von den salzhaltigeren unteren Schichten gut reflektiert und weitergeführt. In einem Test verband Mileski einen einfachen Dipol mit einem Sender und legte die beiden langen Drähte auf das Eis. Kilometer entfernt breitete er ähnliche Antennen aus, um das Signal zu empfangen. “Obwohl das Signal die meiste Zeit durch das Eis wandert, kann es auch knapp über der Eisdecke empfangen werden”, so Mileski. Die besten Ergebnisse erzielte er mit einer Wellenlänge von 600 Metern, die er mit zwei 150 Meter langen Drähte erzeugen konnte. Dieses 500 Kilohertz-Signal breitete sich ohne große Störungen knapp 500 Kilometer weit aus.
US-Forscher des genannten Naval undersea Warfare Centers in Newport wollen die meterdicken Eisschichten am Nordpol als Medium für Funkübertragung nutzen. Die salzarmen oberen Eislagen wirken dabei als guter Leiter für die genutzten Radiowellen. Damit können die Forscher in Zukunft die Störungen, die bei der Funkübertragung über die Luft häufig auftreten, vermeiden, berichtet das Magazin New Scientist.
Die Ionosphäre kann so stark mit Energie geladen sein, dass sie ihre Eigenschaft verliert, Radiowellen zu reflektieren, beschreibt Polarforscher Paul Mileski das derzeitige Kommunikationsproblem. Schon auf einer kurzen Entfernung von nur 80 Kilometern bestehe die Gefahr, dass der Funkkontakt regelmäßig abbreche. Im Eis allerdings können sich die Signale ohne Störungen bis zu sechsmal weiter ausbreiten als in den Luftschichten, die dem Einfluss geladener Teilchen, die auch die Nordlichter verursachen, ausgesetzt sind.
Jan Oliver Löfken





