Das Gespräch führte Heike Stüvel
China dominiert den Elektroauto-Markt. Was sind die Gründe, Herr Professor Bratzel?
Der Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren Langfriststrategie. Bereits vor über einem Jahrzehnt hat China erkannt, dass es in der traditionellen Autoindustrie hinterherhinkt. Deshalb setzte das Land gezielt auf die Elektromobilität, wo es einen Neuanfang wagen konnte.
Wie sieht die chinesische Strategie aus?
Sie besteht im Wesentlichen aus drei Faktoren. Erstens staatliche Lenkung: Es gibt klare Vorgaben für die Autoindustrie, massive Subventionen und einen konsequenten Ausbau der Ladeinfrastruktur. Zweitens die digitale Transformation: Chinesische Hersteller haben von Anfang an das Auto als digitale Plattform betrachtet. Software ist der Kern – und nicht nur ein Zusatzelement. Schließlich Agilität und Experimentierfreude: Während europäische Autobauer in jahrelangen Abstimmungsprozessen verharren, setzen chinesische Unternehmen Innovationen rasch um und verbessern sie kontinuierlich direkt am Markt.
Wie stark beeinflusst der chinesische Staat den Erfolg der Hersteller?
Die staatliche Hilfe ist ein Vorteil: China hat eine klare industriepolitische Strategie, während westliche Staaten oft zögerlich agieren. Doch diese enge Verflechtung birgt auch Risiken. Überkapazitäten und ein möglicher Subventionsabbau könnten einigen Herstellern Probleme bereiten. Ausländischen Firmen hingegen erschwert die starke Regulierung den Markteintritt in China.
Der US-Hersteller Tesla hat in China großen Erfolg. Woran liegt das?
Tesla hat früh erkannt, dass China nicht nur ein Absatzmarkt ist, sondern ein Innovationslabor. Die Modelle „3“ und „Y“ aus der Gigafactory Shanghai lassen sich günstiger produzieren und sind technisch weiter entwickelt als vergleichbare Modelle der beiden anderen US-Konzerne General Motors und Ford. Europäische Hersteller kämpfen gleich mit mehreren Problemen.
Welche Probleme sind das?
Sie liegen in langsamen Entscheidungsprozessen und einer teils schwerfälligen Unternehmenskultur. Zudem werden chinesische Kunden unterschätzt. So haben viele europäische Hersteller zu spät erkannt, dass Autokäufer in China vor allem digitale Features und ein nahtloses Nutzererlebnis erwarten. Hinzu kommen hohe Produktionskosten: Die sind bei deutschen und bei US-Unternehmen oft höher als in chinesischen Werken.





