Jeden Tag schauen wir unzähligen Menschen ins Gesicht. Für unser Sozialverhalten ist es dabei enorm wichtig, dass wir das Antlitz unserer Mitmenschen unterscheiden und wiedererkennen können. Kein Wunder also, dass die Fähigkeit zur Gesichtserkennung bei uns gut ausgeprägt ist und unser Gehirn sogar spezielle Zentren für die Gesichtserkennung besitzt: Ein Blick genügt und wir wissen, wen wir vor uns haben – jedenfalls normalerweise. Doch neue digitale Technologien machen dies inzwischen nicht mehr ganz so einfach: Denn nicht immer steckt hinter dem Gesicht in einem Video tatsächlich die Person, der dieses im realen Leben gehört. Bei sogenannten Deepfakes werden Gesichter einfach ausgetauscht – und Personen Worte in den Mund gelegt, die sie nie gesagt haben.
Zunehmende Gefahr von Deepfakes bei Politikern
Solche Deepfakes wurden schon in Betrugs- und Erpressungsversuchen eingesetzt, werden aber auch für politische Zwecke missbraucht. Im März 2022, kurz nach Beginn des Ukrainekriegs, tauchte beispielsweise ein Video im Internet auf, in dem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Niederlage im Krieg gegen Russland und die Kapitulation zu erklären schien. Zwar wurde dieses Video aufgrund der eher kruden Audio- und Videotechnik bald als Deepfake entlarvt, aber erst, nachdem es schon über soziale Medien verbreitet worden war und sogar im ukrainischen Fernsehen aufgetaucht war. Drei Monate später täuschte ein weiterer Deepfake erfolgreich die Bürgermeister der Städte Berlin, Madrid und Wien, als diese glaubten, in einer Videokonferenz mit Vitali Klitschko, dem Bürgermeister von Kiew zu sprechen. “Diese jüngsten Ereignisse sind erst der Anfang einer neuen Welle von Deepfake-Angriffen auf aufgezeichnete und live versendete Videos”, erklären Hany Farid von der University of California in Berkeley und Matyas Bohacek vom Kepler-Gymnasium in Prag.
Je weiter die technischen Möglichkeiten solcher Deepfakes fortschreiten, desto schwerer wird es für unsere Wahrnehmung, die Fälschungen zu erkennen. Deshalb werden schon jetzt verschiedenen Technologien eingesetzt, um Deepfakes zu identifizieren. Gängige Methoden suchen dabei beispielsweise nach Artefakten in den Videodateien, wie sie durch das Einmontieren der falschen Mundbewegungen oder Gesichter entstehen. Andere Verfahren nutzten Systeme der künstlichen Intelligenz, um diese auf die Unterscheidung von Fälschungen zu trainieren. Auch biometrische Vergleiche werden eingesetzt, um die Identität der abgebildeten Personen zu überprüfen. Dafür müssen die entsprechenden Merkmale der Originalperson allerdings zunächst erfasst und präzise ausgewertet werden – ein bisher relativ aufwendiger Prozess.





