Nur etwa 35000 verschiedene Gene hat ein Mensch – das war 2001 das sensationelle Ergebnis des internationalen Genom-Projekts. Nun berichten Forscher des Proteom-Projekts, der Mensch hätte etwa eine halbe bis ganze Million unterschiedliche Proteine. Und dies, obwohl die meisten von uns in der Schule gelernt haben: Ein Gen liefert die Information für ein einziges Protein.
Dieser alte Lehrsatz ist falsch. Die Zelle kann je nach Bedarf aus einem Gen verschiedene Eiweiße herstellen. „Differenzielles Splicing” heißt der Fachbegriff für diesen genialen Trick. Man kann ihn mit „auseinander schnippeln und wieder zusammenkleben, je nach Bedarf” übersetzen. Das Ganze funktioniert folgendermaßen:
Nehmen wir als Beispiel ein Gen, das die Information „bild der wissenschaft” enthält. Im einfachsten Fall zieht die Zelle eine Kopie dieses Gens, die so genannte Boten-RNA, und schickt sie zu den Eiweiß-Fabriken der Zelle, die daraus ein Protein mit der Struktur „bild der wissenschaft” macht. Nun gibt es aber Situationen, in denen die Zelle etwas ganz anderes braucht, zum Beispiel ein Protein namens „Bier”.
In diesem Fall schnappen sich spezielle Enzyme die Gen-Kopie – die Boten-RNA – und trennen die Abschnitte „ld d” und „ wissenschaft” heraus, setzen den Rest der Kopie zusammen und lassen daraus „Bier” produzieren.
Mit der gleichen Methode kann die Zelle auch Proteine wie „ Derwisch”, „Bilder” oder „leicht ” herstellen. Natürlich bringt sie nicht jede beliebige Kombination zustande, sondern nur eine bestimmte Auswahl, die jedes Mal zu einem sinnvollen und funktionierenden Protein führt.
Thomas Willke





