Zum Wegwerfen sollen bald DVDs der US-amerikanischen Firma Spectra Disc sein – aber nicht etwa, weil ihr Inhalt nichts taugt, sondern weil sie nach kurzer Zeit ihre Funktion verweigern. Das Konzept von Spectra Disc sind Einweg-DVDs. Um die Scheiben nach der Benutzung unbrauchbar zu machen, werden sie mit einem durchsichtigen Kunststoff überzogen, der etwa einen tausendstel Millimeter dünn ist, und in eine Vakuumverpackung eingeschweißt. Sobald eine DVD zum Abspielen aus der Verpackung genommen wird, reagiert der Überzug mit dem Sauerstoff in der Luft. Dabei entsteht eine Art „Milchglas-Effekt”: Die Beschichtung wird allmählich undurchsichtig, der Laserstrahl des DVD-Players kann nicht mehr bis zu der Daten-tragenden Schicht der Scheibe durchdringen – der Player kann die DVD nicht mehr lesen. Durch eine unterschiedlich dicke Beschichtung lässt sich eine Abspieldauer von wenigen Stunden bis einigen Wochen einstellen. Der Zweck der Einweg-DVDs: Sie sollen das Zurückbringen und das Berechnen von Nachgebühren ausgeliehener Videos auf DVD überflüssig machen. Weiterer Vorteil aus Sicht der Filmindustrie: Häufiges Kopieren der DVD ist nicht möglich. Ein anderer Ansatz mit demselben Ziel, bei dem sich verschlüsselte DVDs nach der ersten Wiedergabe auf speziellen Abspielgeräten nur rund zwei Tage lang lesen ließen, war in den USA vor drei Jahren gescheitert. Nach Angaben von Spectra Disc haben bereits zwei Hollywood-Studios ihr Interesse an dem Einweg-Konzept bekundet. Bei Umweltschützern sorgt die Idee für wenig Begeisterung. Sie fordern, die Scheiben müssten – sollten sie jemals in den Handel kommen – recyclingfähig gemacht werden.
Ralf Butscher





