Wird China krank, bevor es reich ist? Diese Frage war der Ausgangspunkt der natur-Serie. Es war eine rhetorische Frage, denn bei wirklich guter Gesundheit ist das Land schon länger nicht mehr. Das gilt für den absurden Smog in vielen Städten, der die Menschen Luftfilteranlagen kaufen lässt, die noch mehr Strom verbrauchen, was die Luft weiter verschlechtert. Und das gilt vielleicht noch mehr für die unsichtbaren Gefahren. Für das Erdreich und das Grundwasser, die in weiten Teilen Chinas mit Schadstoffen belastet sind. Für Flüsse wie den Jangtse, einst für Artenreichtum bekannt, heute für Schiffreichtum und Wasserverschmutzung. Für die Wasserknappheit in Nordchina, die die Regierung mit endlos langen Kanälen zu lindern versucht.
Ein ernsthaftes Umdenken setzt ein
Die Ausgangsfrage war aber auch eine offene Frage. Denn in China, wo jahrelang die imposanten Wirtschaftswachstumszahlen alles überstrahlten und viele betörten, scheint ein ernsthaftes Umdenken einzusetzen. Die Regierung möchte ein Emissionshandelssystem etablieren, mit dem der Ausstoß von Klimagasen reduziert werden soll. Immer mehr Bürger treffen umweltbewusste Konsum- und Lebensentscheidungen. Und was den Ausbau erneuerbarer Energien angeht, ist China Weltspitze.
Besonders zuversichtlich stimmt, dass der Mut chinesischer Umweltjournalisten immer öfter belohnt wird. Die Smog-Dokumentation “Unter der Glocke” der Journalistin Chai Jing, die im Frühjahr China elektrisierte (ehe sie dann doch von der Zensurbehörde aus dem chinesischen Internet getilgt wurde), ist nur das prominenteste Beispiel für kritischen, investigativen Journalismus, der tatsächlich etwas bewegt. “Wir sind in ein goldenes Zeitalter für Umweltjournalismus eingetreten”, so Liu Jianqiang von der Umweltorganisation Chinadialogue. Einige Enthüllungen von Journalisten haben weitreichende politische und juristische Folgen.
“Krieg gegen die Umweltverschmutzung”
Anfang 2015 trat ein neues, strikteres Umweltschutzgesetz in Kraft. Das zeigt, dass es Chinas Führung ernst ist mit dem “Krieg gegen die Umweltverschmutzung”, den Regierungschef Li Keqiang vergangenes Jahr ausgerufen hatte. Ein weiterer Hoffnungsschimmer. Für Chinas Genesung. Und für die Klimakonferenz in Paris.
Die Serie “Umweltmacht China” ist entstanden mit Unterstützung der Internationalen Journalisten-Programme (IJP) und des Deutsch-Chinesischen Mediennetzwerks e. V.
Die Serie “Umweltmacht China”














