San Francisco, Hafenviertel. Es hat geregnet. Der Mercedes-Benz SL ist schon arg ramponiert, die linke Heckleuchte ist ausgefallen, und die Kotflügel sehen aus wie Eierkartons. Macht nichts. Der Finger bleibt auf der Gastaste, die Bremse ist etwas für Weicheier – auch wenn die Steuerung, Gamepad genannt, wie wild vibriert. Project Gotham Racing heißt eines der ersten Spiele für die Xbox, und es setzt gleich Maßstäbe. Im Rückspiegel sind die Verfolger zu erkennen, das Licht wird auf der regennassen Straße anders reflektiert als auf dem trockenen Asphalt. Realitätsnäher durch San Francisco oder eine der anderen in dem Spiel gespeicherten Städte zu fahren, ist kaum möglich. Die Xbox überzeugt, weil die Entwickler auch an Kleinigkeiten gedacht haben: Die Kabel sind mit vier Metern endlich ausreichend lang und besitzen als Sollbruchstelle einen Stecker, der das Kabel trennt, wenn man im Eifer des Gefechts darüber stolpert. Die Steuereinheiten liegen angenehm in der Hand und leuchten ab und zu grün auf oder vibrieren bei einem Crash. Und der Dolby-5.1-Sound sorgt für echte Kinoklänge. Die Bildqualität der Kiste, die auch das 16:9-Format und eine HDTV-Auflösung beherrscht, ist so gut, dass sie die Technik hinter der Mattscheibe herkömmlicher Fernseher fast überfordert. Bei öffentlichen Vorführungen zeigt Microsoft die Bilder deshalb über einen Videobeamer auf einer Leinwand. Die Xbox ist derzeit die beste Spielkonsole auf dem Markt – und mit dem gesenkten Preis von 299 Euro eine harte Nuss für die Konkurrenz. Allerdings: Mit einem zweiten Gamepad, der Fernbedienung für den DVD-Player und ein paar Spielen läppert sich locker das Doppelte an Kosten beim Kauf zusammen. Mit einem guten PC macht Spielen genauso Spaß – und Schreiben und Surfen im Internet kann man damit außerdem.
Bernd Müller





