von THOMAS BRANDSTETTER
Roboter aus Metall leisten hervorragende Arbeit. Mit ihren bewährten Kombinationen von Stahlgelenken, Servomotoren und Hydraulik arbeiten sie kraftvoll, schnell und zuverlässig. Doch es gibt auch Anwendungsgebiete, in denen „weichere“ Qualitäten gefragt sind. Vor allem im engen Umgang mit Menschen, wo ein stur einem Programm folgender, starrer Roboterarm leicht zu einer Bedrohung wird, haben Maschinen aus weichen Materialien Vorteile.
Außerdem sind die neuen „Softies“ vielseitiger. So kann ein anschmiegsamer Griff beliebige Objekte fassen, ohne vorher deren Form genau zu kennen. Und weiche Roboter sind nicht nur besser in der Lage, sich über holpriges Terrain zu bewegen, sondern können sich auch durch kleine Öffnungen zwängen, um an schwer erreichbare Stellen zu gelangen.
Der Forschungsbereich „Soft Robotics“ ist noch jung. Wissenschaftler in aller Welt suchen dabei nach neuen Materialien und entwickeln Konzepte, um ihre Visionen von durch und durch weichen Robotern Wirklichkeit werden zu lassen. Dabei orientieren sie sich vielfach an der Natur und setzen neben Kunststoffen wie Silikon auch biologische Werkstoffe wie Gelatine als Trägermaterial ein – oder lebende Muskelzellen als Aktuatoren: Bauelemente, die für Bewegung sorgen. Als Vorbilder dienen Tiere wie Schlangen, Rochen oder Oktopoden. Ein Oktopus bewegt sich nicht nur flink und elegant fort, sondern mit seinen acht weichen Tentakeln auch äußerst geschickt. Dabei hat er kein starres Skelett.
Ein künstlicher Oktopus
Ein 2016 an der US-amerikanischen Harvard University entwickelter künstlicher Oktopus gilt als der erste autonome und komplett weiche Roboter. Auch wenn er bislang keinen praktischen Nutzen hat, ist seine Funktionsweise doch wegweisend – er kann abwechselnd jeweils vier seiner acht Arme heben und senken. Der nur wenige Zentimeter große und aus Silikon gefertigte „Octobot“ kommt völlig ohne Elektronik aus. Sein Antrieb funktioniert über Druck, indem eine kleine Menge flüssigen Treibstoffs in Gas umgewandelt wird. Statt mit einer elektronischen Steuerung aus harten Silizium-Bauteilen koordiniert er seine Bewegungen über einen Schaltkreis aus feinen Strömungskanälen, durch die das Gas abwechselnd in die verschiedenen Tentakel gelangt. Dort befinden sich größere Hohlräume, die sich wie Luftballons aufblähen und auf diese Weise den jeweiligen Arm in Bewegung setzen.
Für Martin Kaltenbrunner, den Leiter der Abteilung Physik weicher Materie am Institut für Experimentalphysik der oberösterreichischen Universität Linz, ist ein Oktopus vor allem eines: ein Hydrogel. Der Überbegriff beschreibt dreidimensionale Netzwerke aus Polymerketten, die mit Wasser aufgeschwemmt sind. Das einfachste Beispiel dafür ist ein Wackelpudding.





