Ein Gerüst aus einem neuartigen Material soll in Zukunft die Reparatur durchtrennter Nerven erleichtern: Einmal im Körper, bildet die Substanz ein Gerüst, das Lücken zwischen den beiden Nervenenden überbrückt. Wie an einer Pergola können die Nervenzellen dann von beiden Seiten an dem gelartigen Netz entlang aufeinander zu wachsen und eine neue Verbindung eingehen. Über diese Entwicklung berichten amerikanische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Science (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1126/science.1093783).
Durchtrennte Nerven im Rückenmark verursachen Querschnittslähmungen und wachsen fast nie von alleine wieder zusammen. Einer der Hauptgründe dafür ist die Lücke, die bei der Verletzung entsteht und die von den Nerven beim Wachsen überbrückt werden muss. Es gibt bereits verschiedene Ansätze, durch implantierte Brücken beispielsweise aus Kollagen oder Fibrin diese Lücke zu schließen und damit die Nervenenden wieder zueinander zu bringen. Die meisten dieser Implantate sind jedoch ziemlich starr und müssen operativ eingesetzt werden, wobei zusätzliche Verletzungen entstehen können.
Die Methode, die Gabriel Silva und seine Kollegen von der Northwestern-Universität in Chicago entwickelt haben, umgeht dieses Problem auf elegante Weise: Die von den Wissenschaftlern verwendete Substanz ist aufgrund ihrer Zusammensetzung außerhalb des Körpers flüssig und kann daher problemlos in die verletzte Stelle injiziert werden. Kommt sie nach der Injektion mit Körpergewebe in Berührung, klumpt sie zusammen und bildet ein Netzwerk aus kleinen, hohlen Röhrchen, von denen jedes nur ein Millionstel eines Millimeters dick ist. So entsteht eine poröse, gelartige Masse, an der die Nerven entlang- oder durch die sie hindurchwachsen können.
Auf der Oberfläche der Röhrchen befinden sich zusätzlich spezielle Proteinfragmente, an denen sich die Nervenzellen beim Wachsen festhalten können. Nach etwa vier bis sechs Wochen löst sich das Gitter vollständig auf, so dass kein Fremdkörper im Rückenmark verbleibt. Im Labor gelang es den Forschern außerdem, die Wachstumsgeschwindigkeit der im allgemeinen sehr trägen Nerven zu beschleunigen. Sie fügten der flüssigen Lösung Nerven-Vorläuferzellen hinzu, die sich nach dem Zusammenklumpen des Materials ebenfalls in Nervenzellen umwandelten und so die Heilung beschleunigen können.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





