Zu Vergleichszwecken zogen Adelsberger und Scheibe schon seit Langem als Zeitnormal die „astronomische Tageslänge” heran. Das ist die Dauer eines Sonnentages, beispielsweise gemessen von einem Sonnenhöchststand bis zum nächsten. 1934 registrierten Adelsberger und Scheibe demgegenüber deutliche Gangdifferenzen bei ihren Quarzuhren. Die Abweichungen betrugen im Mittel plus/minus 0,0015 Sekunde pro Tag. Die beiden Physiker wiesen den naheliegenden Vorwurf von sich, mit ihren Anlagen stimme etwas nicht. Sie beharrten darauf, die wahrscheinlichere Erklärung sei, dass die Erdrotation bisher unbekannte Schwankungen aufweist – was Rückwirkungen auf die Messung der Tageslänge hat.
Heute messen Atomuhren die Zeit
Erst 1948 bestätigten andere Wissenschaftler diese Behauptung. Tatsächlich verlangsamt sich die Erddrehung im Frühjahr um etliche Millisekunden und beschleunigt sich im Herbst – dann geht die Erde sozusagen nach beziehungsweise vor. Außerdem vollzieht die Erdachse eine Taumelbewegung (Präzession). Heute würde sich kein Physiker mehr darauf einlassen, astronomische Zyklen für die Zeitmessung heranzuziehen. Im Zeitalter der Atomuhren misst man die Zeit anhand der Frequenzen von Strahlungsübergängen der Elektronen bei isolierten Atomen.
1969 fragte die amerikanische Jazzrock-Band Chicago (damals noch „Chicago Transit Authority”) auf ihrem Debütalbum: „Does anybody really know what time it is?” Im selben Jahr kam die „Astron” des japanischen Herstellers Seiko auf den Weltmarkt – die erste massenhaft produzierte und erschwingliche Armbanduhr mit Schwingquarz. Wichtiges Merkmal damals für den stolzen Träger: Ein Jahr Batterie-Lebensdauer war garantiert.





