wissenschaft.de: Herr Professor Weber, die Teilnehmer haben soeben eine Erklärung verabschiedet, der zufolge sie die Regierenden in der Welt dazu auffordern, eine CO 2 -Emissionssteuer zu erheben. Was bringt das?
Eicke Weber: Bisher haben die COP-Klimakonferenzen sich darauf konzentriert, verbindliche Emissionsreduktionsziele für jedes Land der Welt zu vereinbaren. Das hat bisher keine durchschlagenden Ergebnisse gebracht, weil eine solche Vereinbarung in vielen Ländern nur sehr schwer durchsetzbar ist. Auf der anderen Seite besteht aber Einigkeit darin, dass es dringend notwendig ist, die Emission klimaschädlicher Gase drastisch und schnellstmöglich zu verringern. Daher fordern die hier in Freiburg versammelten mehr als 100 Umweltpreisträger aus aller Welt, durch eine Abgabe CO 2-Emissionen auf Dauer zu verteuern. Eine derartige Abgabe oder Emissionssteuer könnte bei den heutigen niedrigen Energiepreisen praktisch unmerklich eingeführt werden, um aber durch eine vorher vereinbarte jährliche Steigerung auf ein höheres und dann wirklich wesentliches Niveau zu kommen.
Wir haben doch bereits einen Emissionshandel, der nicht funktioniert. Was lässt Sie und die Preisträger jetzt hoffen, dass eine solche Steuer die Probleme löst und die Nutzung fossiler Energien verteuert?
Ein gut funktionierender Emissionshandel mit einer gewissen Knappheit an Emissionszertifikaten könnte eine ähnliche Wirkung haben. Aber ohne Mindestpreise für Zertifikate hat sich dieser Mechanismus als unwirksam erwiesen. Deshalb würde uns eine derartige Emissionssteuer weiterbringen.
Nehmen Sie die deutsche Bundesregierung. Glauben Sie, dass die bereit sein wird, eine solche Steuer einzuführen? Die Regierenden fürchten heutzutage Steuern doch so, wie der Teufel das Weihwasser…
Die deutsche Bevölkerung wäre sicherlich für eine derart niedrige, aber langsam steigende Belastung bereit, weil sie die CO 2-Emissionen als schädlich anerkannt hat. Daher ist es jetzt unsere Aufgabe, diese Bereitschaft der Bevölkerung auch in politisches Handeln umzusetzen.
Ist denn Atomenergie eine Lösung? In vielen Ländern werden derzeit Atomkraftwerke neu gebaut, um die CO 2-Last zu verringern. Selbst Japan will seine abgeschalteten Atomkraftwerke wieder ans Netz bringen, weil Japan seit Fukushima seine Klimaziele nicht mehr einhalten kann. Im Vergleich zu 1990 sind die Emmissionen sogar gestiegen…
Atomenergie stellt Strom mit sehr geringen CO 2-Emissionen her. Das ist zunächst einmal richtig. Aber Atomkraft ist keine nachhaltige Lösung des CO 2-Problems, weil es bislang keine Lösung der Endlagerung des radioaktiven Mülls gibt und auf der anderen Seite die katastrophalen Gefahren dieser Technologie eines Reaktorunfalls drohen, wie wir in Tschernobyl oder Fukushima gesehen haben. Von den Gefahren, die bereits beim Uranabbau entstehen, ganz zu schweigen. Leider muss ich voraussagen, dass der nächste große Kernschmelzunfall sehr wahrscheinlich kommen wird, wenn wir nicht schleunigst aus dieser Technologie aussteigen. Ich bin sicher: Bei einem weiteren schweren Kernunfall ohne Erdbeben und ohne Tsunami wird die Akzeptanz dieser Technik weltweit verschwinden.




Prof. Dr. Eicke R. Weber
