Ein neues Navigationssystem schwedischer Wissenschaftlerinnen zeigt Autofahrern nicht die kürzeste, sondern die umweltfreundlichste Route mit dem geringsten Treibstoffverbrauch an. Dazu nutzt es Verbrauchswerte, die den einzelnen Streckenabschnitten vorher auf der Basis von Daten wie Straßenbreite, Geschwindigkeitsbegrenzung und Verkehrsdichte zugeteilt werden müssen. Der Prototyp des Systems, den Eva Ericsson und ihre Kolleginnen von der Universität Lund auf insgesamt 22 Straßen getestet haben, brachte bereits eine Treibstoffersparnis von mehr als acht Prozent. Im Alltag ist allerdings ein Wert von vier Prozent realistischer.
Für den Testlauf kalkulierten Ericsson und ihr Team die Verbrauchswerte für drei verschiedene Autotypen zu zwei verschiedenen Zeiten: einer Stoßzeit mit viel Verkehr und einer ruhigeren Periode, in der die Straßen relativ frei sind. Zusätzlich schickten sie einen Testwagen los, der die erfassten Strecken patrouillieren und aktuelle Informationen über Staus und andere Behinderungen in das System einspeisen sollte. Auf diese Weise gelang es den Wissenschaftlerinnen, den Treibstoffverbrauch in manchen Fällen um bis zu 8,2 Prozent zu vermindern.
Die Echtzeit-Übermittlung der Staudaten brachte jedoch zumindest in diesem ersten Test nicht den erwarteten Erfolg. Ursache dafür war laut “New Scientist” die zu geringe Anzahl an Staumeldern: Um Behinderungen effektiv umgehen zu können, müssen mindestens 50 Prozent aller Probleme erfasst werden, der einsame Testwagen habe jedoch lediglich 26 Prozent aufgezeichnet.
Ob das umweltfreundliche Navigationssystem jemals kommerziell vermarktet wird, ist bislang unklar. Nach Ansicht von Experten ist der Aufwand, allen Straßen der Welt die entsprechenden Verbrauchswerte zuzuteilen, zu groß und würde das System zu teuer machen. Sollten sich allerdings genügend Freiwillige finden, die während ihrer täglichen Fahrten ständig Daten sammeln und übermitteln, könnte der Aufwand minimiert und trotzdem eine sehr genaue Datenbank zusammengestellt werden, glauben die Forscherinnen.
New Scientist, 6. Januar, S. 24 Originalarbeit der Forscher: Eva Ericsson (Universität Lund) et al.: Transportation Research Part C: Emerging Technologies, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.trc.2006.10.001 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





