Dennoch waren Vampire dem Volksglauben zufolge auf Blut versessen. Sie schienen es aber dem jeweiligen Opfer auf magische Weise aus der Distanz zu entziehen. Wichtiger als der Durst nach Blut ist laut Kreuter jedoch die Verwandlungsgabe der Vampire. Neben der Gestalt bestimmter Tiere könne der Vampir auch die Form verschiedener Gegenstände annehmen, so der Balkanologe.
Kreuter ist auch der Frage nachgegangen, warum der Vampirglaube gerade in Südosteuropa so stark verwurzelt ist. Im christlich-orthodoxen Weltbild sei, so Kreuter, kein Platz für einen Totenkult, der den Menschen in dieser Region sehr wichtig war. “Diese Lücken füllten die Menschen mit Versatzstücken aus dem viel älteren Volksglauben, da sich die orthodoxen Kirchen kaum mit Sterben und Tod auseinandersetzen”, erklärt Kreuter.
Heutzutage spielt der Vampirglaube auch in Südosteuropa kaum noch eine Rolle. Gleichwohl müssen die Vampire noch dann und wann herhalten, wenn etwas scheinbar Unerklärliches geschieht: So wurde etwa “zu Beginn der 80er Jahre aus einer rumänischen Stadt berichtet, dass ein Vampir ähnliches Wesen umginge und das Öl von Fahrradketten leckte”.
Bibliografischer Hinweis: Peter Mario Kreuter: “Der Vampirglaube in Südosteuropa”, Weidler Verlag Berlin 2001, ISBN 3-89693-709-X.




